Dienstag, 17. Mai 2022

Rezension zu "Bonjour, Saint-Ex! - Eine poetische Begegnung mit Antoine de Saint-Exupery auf seinem letzten Flug" von Jörg H. Trauboth

 

Inhalt

Am 31. Juli 1944 hebt der physisch und psychisch angeschlagene Kriegspilot Major Antoine de Saint-Exupéry auf dem Flugplatz Bastia-Borgo (Korsika) mit einem Aufklärungsflugzeug ab und kehrt nicht mehr zurück. Ein deutscher Jagdpilot gibt an, ihn abgeschossen zu haben. Jahrzehnte später fliegt Fabian, der Sohn des Jagd­piloten, die Route seines Idols, Major „Saint-Ex“, nach. Am Himmel über Frankreich wird Fabian mit seinem Flugzeug in ein Universum jenseits von Raum und Zeit geschleudert. An seiner Seite erscheint ein mysteriöser Flügelmann und beginnt mit ihm ein sehr persönliches Gespräch ...

Autor

Jörg H. Trauboth (geb. 1943) war Generalstabsoffizier in der Luftwaffe und Waffensystem­offizier-Lehrer in Kampfflugzeugen PHANTOM und TORNADO. Mit 50 Jahren quittierte er freiwillig den Dienst im Rang eines Obersten. Nach einer Spezialausbildung wurde er mit eigener Firma für die Bewältigung von Erpressungs- und Entführungslagen weltweit eingesetzt. Er war Präsident der Europäischen Krisenmanagement Akademie (EAKM) in Wien und Präsident der internationalen Pilotenvereinigung American Yankee Association. Er hat über fünftausend Stunden Flugerfahrung und überlebte drei kritische Flugunfälle. Literatur: Herausgeber und Co-Autor des Standardwerkes „Krisenmanagement in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen“ (2. Auflage 3/2022). Romanautor der Deutschland-Thriller „Drei Brüder“ (2016), „Operation Jerusalem (2019), „Omega“ (2020) und „Jakobs Weg“ (2021). 

Herausgeber ‏ : ‎ ratio-books; 1. Edition (1. April 2022) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 168 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3961361363 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961361366

 Meine Einschätzung

Die Geschichte vom kleinen Prinzen kennen viele und sind wie ich begeistert von den liebevoll geschriebenen Abenteuern des Prinzen und seinem Freund den Fuchs. In diesem Buch geht der Autor Jörg H. Trauboth auf Spurensuche der letzten Lebensstunden des Autors des kleinen Prinzen, Antoine de Saint-Exupery. Der Autor ist wie der französische Schriftsteller Militärflieger und gleichzeitig schreibt er auch Bücher. Daher trägt die Hauptfigur des Romans Fabian sicher auch autobiographische Züge.

Der sehr unterhaltsame und bildhafte Schreibstil des Autors lässt den Leser tief in die Geschehnisse eintauchen. Fabian, der Sohn des deutschen Militärfliegers, welcher behauptet Antoine de Saint-Expupery auf seinen letzten Erkundungsflug abgeschossen zu haben, begibt sich mit seinem Flugzeug auf die letzten Spuren des französischen Poeten. Er möchte Klarheit darüber, was damals passiert ist. Als Leser denkt man, dass man mit ihm in Cockpit sitzt und das Abenteuer sebst erlebt...

Dem Autor ist es mit dem Buch sehr gut gelungen, dem Leser den Menschen de Saint- Exupery näher zu bringen. Ich habe für mich viele neue Erkenntnisse zu dessen Leben gewonnen. Auch die Frage, warum der Poet, der so wunderbare Geschichten aufgeschrieben hat, sein Leben als Militärflieger eingesetzt hat, wird beantwortet. Gleichzeitig ist es Mahnung an jeden, alles zu tun, um Kriege zu verhindern. Denn junge Menschen sollen in Freiheit ihre Träume leben können, ohne als Kanonenfutter geopfert zu werden. Auch wird vom Autor aufgezeigt, dass ein heutiger Drohnenkrieg viel größere Opfer fordern würde, als in den vergangenen schrecklichen beiden Weltkriegen.

"In diesem Krieg,..., funktioniere ich wie das Zahnrad in einem Uhrwerk. Das Uhrwerk ist die Kriegsmaschine.Wir am Fliegerhimmel sind vollkommen entmenschlicht. Und das Schlimmste ist, das wir der Kriegsmaschine auch vollkommen egal sind." (Saint-Exupery zu Fabian)

Obwohl das Buch eine fiktive Geschichte erzählt, fesselt es den Leser von der ersten Seite an. Beim Erzählen wird Wirklichkeit und Traum miteinander meisterlich verbunden. Viele Hintergrundinformationen über das Leben des französischen Poeten, aber auch über das gegenwärtige Leben als Militärflieger, wie Fabian einer ist, werden unterhaltsam vermittelt.

Im hinteren Teil des Buches gibt es Erläuterungen des Autors, wie ihn die Bücher von Saint Exupery sein ganzes Leben lang begleiten. Außerdem geht er inhaltlich auf andere Roman des französischen Poeten ein. Mich hat der Autor damit sehr neugierig auf diese Werke gemacht, die ich in nächster Zeit auch einmal lesen werde.

" Ich schreibe, was ich bin. Ich bin, was ich nicht schreibe. Ich bin viele." ( Antoine de Saint-Exupery)

Ich wünsche dem Buch viele begeisterte Leser.


Rezension zu "Stadt,Land,Fuchs - Das Leben der heimischen Säugetiere" von Josef H. Reichholf

 

Inhalt

Wussten Sie, dass Berlin nicht nur die Hauptstadt der Nachtigallen ist, sondern auch der Wildschweine? Dass Murmeltierfett über wundersame Heilkraft verfügen soll, Feldmäuse uns lehren können, besser mit Stress umzugehen, und dass es nicht nur Ost- und Westgoten gab, sondern auch Ost- und Westmäuse gibt? Denn eine seltsame Grenze verläuft durch Deutschland.

Der Biologe Josef H. Reichholf entführt uns in die verborgene Welt der Säugetiere in der Tradition David Attenboroughs, aber nicht zu Tigern und Elefanten, sondern in die unserer heimischen Säuger. Voll überraschender Erkenntnisse und Anekdoten rückt das liebevoll von Johann Brandstetter illustrierte Buch unser Zusammenleben mit Wölfen, Füchsen, Bibern und Fledermäusen in ein neues Licht.

Autor 

Josef H. Reichholf, 1945 in Niederbayern geboren, war bis Mai 2010 Leiter der Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung München und Professor für Ökologie und Naturschutz an der TU München. 2007 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. 2010 erhielt sein Bestseller „Rabenschwarze Intelligenz“ den Preis „Wissenschaftsbuch des Jahres“. Zuletzt erschienen von ihm 2017 in den „Naturkunden“ der als „Wissensbuch des Jahres“ ausgezeichnete Band „Symbiosen“ „Das Leben der Eichhörnchen“ (2019) und „Der Hund und sein Mensch“.

Johann Brandstetter,
1959 in Oberbayern geboren, war zunächst Restaurator und wechselte später ins Fach der künstlerischen Illustration. Er hat fast 200 Bücher bebildert, seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Studienreisen nach Zentralafrika, Asien und Mittelamerika inspirierten ihn zum Bilderzyklus "Symbiosen", der 2016/17 in Salzburg in einer Ausstellung zu sehen war. Das gleichnamige Buch, dessen Text von Josef Reichholf verfasst ist, wurde mit dem Preis „Wissensbuch des Jahres“ ausgezeichnet.
 

Herausgeber ‏ : ‎ Aufbau; 1. Edition (14. März 2022) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 302 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3351038569 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3351038564

Meine Einschätzung 

Wer aufmerksam durch sein Wohngebiet geht, hat sicher schon mit Erstaunen festgestellt, dass immer mehr Wildtiere sich auch auf Grünanlagen zwischen Wohnhäusern wohl fühlen. Ich habe schon öfter einen listigen Fuchs beobachtet, der sogar in Müllcontainern nach Nahrung suchte. Hasen hoppelten mir beim Spaziergang vor die Füße. Ein Reh guckte mich erwartungsvoll in einer Grünanlage an und lief dann schnell davon... Abends schwirren Fledermäuse durch die Luft, wenn ich auf dem Balkon die Sterne beobachte... Deshalb war ich sehr interessiert, dieses Buch zu lesen, um noch mehr über die Wildtiere zu erfahren, die sich anscheinend immer mehr zu den Wohngebieten der Menschen hingezogen fühlen.

 In 31 Kapiteln erzählt der Autor Josef H. Reichholf über das Leben der  charakteristischsten freilebenden Säugetiere Deutschlands. Dabei geht er auf  ihre Überlebenschancen in einer vom Menschen begradigten, versiegelten und landwirtschaftlich genutzten Umgebung ein.

Es gibt im Buch Kapitel über solche Tiere, wie zB. den Wolf, die Wildkatze, den Rotfuchs, den Feldhasen, die Rehe, die Hirsche, Wildschweine, aber auch verschiedene Mausarten, Ratten, Biber...

Sehr gefallen haben mir die wunderschönen Illustrationen, Zeichnungen der vorgestellten Tiere, von Johann Brandstetter.

Sehr interessant beschreibt der Autor die Lebensweisen der jeweiligen Tiere und was sie bewegt hat, in der Nähe der Menschen zu leben.  Durch seine unterhaltsamen Beschreibungen wird der Leser angeregt, selbst auf Tierbeobachtung zu gehen. Die Ausführungen über den Konflikt des Menschen mit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland finde ich sehr bedeutend. Zu schnell wird dieses schöne Tier verurteilt und die Rufe nach einem Gesetz, das den Abschuss der Wölfe erlaubt, wird immer lauter. 

Auch was wichtig ist im Verhalten des Menschen zu ändern, um die Wildtiere zu schützen, betont der Autor in den einzelnen Kapiteln, zu je einer Tierart.

Der Leser bekommt viele neue Einblicke in das Leben der Wildtiere in unseren Städten und wird angeregt, mitzuhelfen, diese neuen Nachbarn zu schützen und ihren Lebensraum zu achten.

Ein sehr unterhaltsames und lehrreiches Buch, das ich gerne weiter empfehle.


 

Rezension zu "Fuchs&ich" von Catherine Raven

 

Inhalt

Ein unvergessliches Memoir über die Freundschaft zwischen einer einzelgängerischen Biologin und einem wilden Fuchs, die uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt.
Als sich Catherine Raven in der rauen, unberührten Landschaft Montanas eine kleine Hütte mit einem blauen Dach baut, ist ihre Isolation komplett. Ihre Gesellschaft ist die Natur, die verblüffend lebendige Tier- und Pflanzenwelt, mit der sie ihr Land teilt: eine Schwarze Witwe in der Garage, rebellische Wühlmäuse, eine matriarchalische Elster und ein Wacholder namens Tonic. Eines Tages bemerkt sie einen wilden Fuchs, der jeden Nachmittag um 16.15 Uhr auf ihrem Grundstück erscheint. Entgegen allen wissenschaftlichen Gepflogenheiten beginnt sie, ihm aus »Der kleine Prinz« vorzulesen.
Durch das Prisma dieser außergewöhnlichen Freundschaft stellt Raven sich den großen Fragen: Wo ist unser Platz in der Welt? Können wir im Gleichgewicht mit der Natur leben? Was unterscheidet Wildnis und Zivilisation? Was Isolation und Einsamkeit?
Der einzigartige »New York Times«-Bestseller über den Zauber der Natur und die heilsame Kraft der Freundschaft.


Autorin

Catherine Raven widmet sich als Autorin und Wissenschaftlerin der Natur. Sie war Rangerin u.a. in den Nationalparks Glacier, Mount Rainier und Voyagers und promovierte anschließend an der Montana State University in Biologie. Später bezog sie eine kleine Hütte in der wilden, abgeschiedenen Landschaft Montanas und leitete Expeditionen z.B. durch den Yellowstone Nationalpark. Sie hat u.a. im »American Scientist« naturgeschichtliche Essays veröffentlicht und ein Buch über Forstwirtschaft geschrieben. Derzeit unterrichtet Raven an der South University in Savannah, Georgia. Eine frühe Version von »Fuchs und ich« wurde beim Montana Festival of the Book mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

 Herausgeber ‏ : ‎ S. FISCHER; 1. Edition (29. September 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 416 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 310397096X 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-310397096

Meine Einschätzung

Die Autorin, von Beruf Biologin, nimmt uns mit in die unendliche Weite von Kanadas Natur, in eine kleine Hütte, die sie sich in den Ausläufern der Yellowstone Mountains gebaut hat. Hier lebt sie alleine in der Wildnis, ohne Strom, ohne fließend Wasser und ohne Mobilfunkmasten in der Nähe. So ist sie auf sich alleine gestellt und sie genießt es. Sie beschreibt die Pflanzen- und Tierwelt und ihre Eigenarten auf unterhaltsame Art. Beim Lesen taucht man in diese wilde Pflanzen-und Tierwelt ein...Sie beobachtet zB. die listigen Elstern und hat schnell deren Eigenarten entdeckt. Auch das die kleinen Wühlmäuse für die Sammlung von Samen ihr nützlih sein können, hat sie schnell entdeckt. In ihren Beobachtungen zwischen Tieren und Natur erfährt man als Leser viel über deren Zusammenspiel. 

Eines Tages beobachtet sie einen kleinen Fuchs. Dieser Erzählstrang geht wie ein roter Faden durch das Buch. Die Autorin beschreibt ihre Begegnungen mit dem Fuchs, aber der Leser erfährt auch, wie der Fuchs diese Begegnung mit dem Menschen fühlt. Es kommt zu einer Freundschaft zwischen beiden, wobei die Biologin nicht möchte, dass der Fuchs zahm wird und aus seinem Leben in der Natur herausgerissen wird. Doch der Spagat zwischen Freundschaft und Gewöhnung an einen Menschen ist nicht leicht zu bewältigen. 

Die Autorin zieht Vergleiche zum Verhältnis der Romanfigur der kleine Prinz und seiner Freundschaft zu einem Fuchs.Sie beginnt sich mit dem Gedanken anzufreunden, den kleinen Fuchs soweit zu zähmen, dass er auf ihr Rufen hört und sie zu bestimmten Zeiten besucht. Sehr interessant fand ich hierzu  ihre Erläuterungen zu den Versuchen des russischen Genetikers Dr. Beljajew, dem es gelang wilde Füchse zu zähmen, aber auch zu den Folgen dieser Versuche....

Wie sich die Freundschaft zwischen der Biologin und dem kleinen Fuchs entwickelt und welche Probleme beide zu meistern haben, erfährt man in diesem sehr unterhaltsamen Buch, das ich nur jedem empfehlen kann, der über die Pflanzenwelt und das Leben der Wildtiere in Kanada mehr erfahren und gleichzeitig Interessantes über das Leben von Füchsen wissen möchte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rezension zu " IGLHAUT" von Katharina Adler

 

Inhalt

Sie hat eine Vorliebe für Whiskey-Cocktails und alte Sozialdemokratinnen, hat schlechte Backenzähne, Geldprobleme und ein Talent für den Umgang mit Holz: Iglhaut, die im Hinterhof eines Münchner Mietshauses ihre Werkstatt unterhält. Die freiheitsliebende Iglhaut, die sich immer wieder – ohne eigenes Zutun und definitiv gegen ihren Willen – in nachbarschaftliche Angelegenheiten verstrickt.

Katharina Adlers Iglhaut ist eine Heldin nach Art alter Götter. Aus dem Holz für verlässliche Beziehungen ist sie nicht gemacht, weder in der Liebe noch im Geschäft. Auch ihre Laune: so wandelbar wie das Wetter. Dabei will sie eigentlich nur ihre Ruhe, Ruhe für sich, die Hündin und ihre Arbeit. Doch dann steht da plötzlich eine alte, komplizierte Liebe, drängen immer mehr Anwohner und ihre Geschichten – cholerisch, komisch, ungebeten – in diesen zutiefst menschlichen Roman. Einen Roman, der das Leben feiert, ohne die Augen zu verschließen vor dem, was ist.

Autorin
 
Katharina Adler wurde 1980 in München geboren, wo sie nach Stationen in Leipzig und Berlin heute wieder lebt. Mit ihrem viel beachteten Debüt, «Ida», war sie unter anderem für den Alfred-Döblin-Preis, den Klaus-Michael Kühne-Preis und den ZDF-aspekte-Literaturpreis nominiert. 2019 wurde sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis, 2020 mit dem Premio Letterario Adei-Wizo ausgezeichnet. «Iglhaut» (2022) ist ihr zweiter Roman.  
 
Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Buchverlag; 2. Edition (12. April 2022) 
Sprache ‏ : ‎ Deutsch 
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten 
ISBN-10 ‏ : ‎ 3498002562 
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3498002565

Meine Einschätzung

Die Autorin macht uns bekannt mit einer Frau, die Schreinerin ist und eine Werkstatt in einer Hinterhofgarage in München betreibt, wo sie eigentlich ihren Frieden und ihre kleine Freiheit haben will. Aber dazwischen funken immer wieder Nachbar*innen, Eltern, ehemalige Liebhaber und anspruchsvolle Kundschaft.Es wird von ihrem Alltag erzählt und wir begegnen beim Lesen vielen anderen Charakteren, die teils mit ihr im Haus wohnen oder mit denen sie befreundet ist oder denen sie im Alltag begegnet.

Die Hauptheldin wird mit ihrem Familiennamen genannt. IGLHAUT - ihr Vater hatte den Namen einst so erklärt: es käme von einem versehrten Igel, dem ein Stachel ausgerissen worden war...An schlechten Tagen fühlt sich Iglhaut auch so... Aber meist ist sie voller Tatendrang. Sie kümmert sich um die Sorgen und Probleme ihrer Nachbarn, hat ein liebevolles Verhältnis zu ihrer Mutter und auch zu ihrem Vater, obwohl dieser die Familie verlassen hat und immer wieder mal mit einer neuen Freundin auftaucht. 

Sie selber ist auf der Suche nach einer Beziehung zu einem warmherzigen Mann, wird aber oft enttäuscht... In der wunderbaren Beschreibung des Alltags mit all seinen Höhen und Tiefen, mit viel Humor, aber auch Tragik wird man beim Lesen hineingezogen in eine Welt, die einem selbst bekannt vorkommt. Schnell habe ich die Hauptheldin lieb gewonnen mit ihrer oft derben, aber auch liebevollen Art. Auch die anderen Charaktere kommen einen aus dem eigenen Erleben bekannt vor und so kommt man beim Lesen nicht herum, Vergleiche zum eigenen Leben zu ziehen.

Iglhaut mit ihrer Hündin "Kanzlerin" erlebt keine großen Abenteuer, aber durch die meisterliche Sprachgestaltung der Autorin, ist der Alltag der Hauptheldin voller Spannung und Witz.

Ob es die um eine  Erzählung über eine Pauschalreise nach Ägypten geht, die Restaurierung von Figuren aus einem Kloster, die Betreuung einer alten Dame, die Nierenspende an die eigene Mutter, die Behandlung eines abgebrochenen Backenzahns, die Suche nach einer größeren Wohnung für eine alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter ....Immer ist Iglhaut aktiv dabei.

Mir hat das Buch unterhaltsame Stunden geschenkt und ich wünsche ihm noch viele begeisterte Leser.

Rezension zu " Das Therapiezimmer" von Aimee Molloy

 

Inhalt 

Der Psychotherapeut Sam und seine Frau Annie ziehen aus New York in die verschlafene Kleinstadt, in der Sam aufgewachsen ist. Dort arbeitet Sam fast rund um die Uhr in seiner Praxis im Souterrain mit seinen (fast nur weiblichen) Klientinnen, während Annie zu viel Zeit allein verbringt. Sam ahnt nicht, dass durch einen Lüftungsschacht all seine Therapiesitzungen im Obergeschoss zu hören sind: die Frau des Apothekers, die sich scheiden lassen möchte. Die Malerin mit dem enttäuschenden Liebesleben. All diese Geschichten mit anzuhören, ist unwiderstehlich. Doch dann taucht die betörende junge Französin in dem grünen Mini Cooper auf. Und Sam geht eines Tages zur Arbeit, um nicht wieder zurückzukehren …

Autor

Aimee Molloy ist als Sachbuchautorin in den USA bereits sehr erfolgreich und genießt Bestsellerstatus. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in West-Massachusetts. Mit ihrem ersten Thriller, "Die Mutter", stand sie monatelang auf der New-York-Times-Bestsellerliste. 

Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch; 2. Edition (16. November 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Broschiert ‏ : ‎ 336 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3499276348 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499276347

 

Meine Einschätzung 

Dieser Thriller hat mich tief beeindruckt, denn im Laufe der Handlung wird alles auf den Kopf gestellt, was man sich in seiner Phantasie beim Lesen der ersten Kapitel vorgestellt hat. Er steckt so voller Spannung, das ich ihn kaum aus der Hand legen konnte. Durch eine meisterliche Erzählweise wird der Leser voll in die Geschehnisse hineingezogen...Doch es kommt alles ganz anders....

In mehreren Erzählsträngen werden Geschehnisse beschrieben und die dabei handelnden Personen dargestellt. Doch ist es auch immer die Person, von der man denkt, zu lesen??? Vielleicht scheint einiges am Anfang verwirrend, doch der rote Faden wird bald wieder klarer und um so spannender geht es weiter. Auch die Orte - ein düsteres altes Haus, mit vielen geheimnisvollen Zimmern, in dem der Psychotherapeut Sam seine Praxis hat und von deren Geheimnissen er auch nichts weiß...Wer ist die Person im Haus, die heimlich seine Therapiestunden belauscht. Welches Spielchen hat sich seine Frau für ihn ausgedacht, um ihre Ehe interessanter zu gestalten. Und wohin verschwindet der Therapeut mitten in einem furchtbaren Unwetter. 

Dieser Psychothriller ist das beste, das ich in diesem Genre gelesen habe. Wer fesselnde Lesestunden sucht, muss dieses Buch auf jeden Fall lesen.  

Freitag, 22. April 2022

Rezension zu " Starry Night, Blurry Dreams " von Henn Kim

 
Inhalt

Willkommen in Henn Kims wunderschönem Universum - Diese Illustrationen entführen auf eine Reise in die Seele. Inspiriert von einem einzelnen Begriff, einem Foto oder Gegenstand fängt Instagram-Poetin Kim mit den schwarz-weißen Zeichnungen und ihren lyrischen Worten Emotionen und Szenen aus dem Alltag ein. Es sind Bilder, die trösten und Mut machen. Sie verbinden das Bekannte und das Surreale und eröffnen damit eine fantastische Welt, die tief berührt und einlädt, sich für einen Moment wegzuträumen. Die Texte wurden von Julia Engelmann wunderbar gefühlvoll ins Deutsche übertragen. Für alle Fans von Graphic Poetry und illustrierter Lyrik.

 

Autorin 

Henn Kim wurde 1982 in Südkorea geboren. Zwischen ihrem 17. und 19. Lebensjahr hörte sie wegen einer Depression auf zu sprechen. Die Kunst wurde ihr Sprachrohr und ihr Weg zurück ins Leben. Zunächst war sie als Grafikerin für ein Designbüro tätig, entschied dann aber, sich als Illustratorin und Künstlerin selbstständig zu machen. Seitdem arbeitet sie mit internationalen Marken und Unternehmen wie Nike, UNICEF und Vogue zusammen und stellt ihre Werke in Hongkong und Korea aus. Ihre Fans auf der ganzen Welt folgen ihr begeistert auf ihren Social-Media-Kanälen.

Julia Engelmann
wurde 1992 geboren und nahm schon früh an Poetry Slams teil. Ein Video ihres Vortrags »One Day« beim Bielefelder Hörsaal-Slam wurde zum Überraschungshit im Netz und bisher mehr als 13,7 Millionen Mal gelikt. Neben dem Slammen gilt ihre Leidenschaft der Musik. Ihre Poetry-Bücher, darunter »Eines Tages, Baby«, sind allesamt Spiegel-Bestseller.   

Herausgeber ‏ : ‎ Diana Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (11. April 2022) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3453292596 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453292598

 

Meine Einschätzung 

Dieses Buch ist außergewöhnlich. Es verbindet schwarz-weiße Zeichnungen mit poetischen Versen oder Aussprüchen. Diese sind in Deutsch und Englisch, bei einigen Zeichnungen auch nur in englischer Sprache abgedruckt. Es geht um den Alltag, vor allem junger Frauen. Es zeigt die unterschiedliche Stimmung in verschiedenen Situationen auf. Henn Kim nimmt den Betrachter mit auf eine poetische Reise. Die Zeichnungen sind emotional, teils geben sie Mut, teils sind sie bedrückend. Sie geben Einblick in eine Welt der Fantasie und regen den Betrachter an, Rückschlüsse zu seinen eigenen Gedanken und Situationen im Leben zu ziehen. Es gibt Themen, wie zum Beispiel; Schlechte Tage, Sonntage, Wiedergeburt, Liebe, Freundschaft, Gefühle, Gedankengänge, Wetter, Tag und Nacht, Hoffnung und Trauer...Die Verbindung von Lyrik und gestaltender Kunst ist einfach beeindruckend.

Ich wünsche dem Buch viele begeisterte Leser. 

Mittwoch, 13. April 2022

Rezension zu " München: Im Angesicht des Krieges" von Robert Harris

 

Inhalt

Die Romanvorlage zum neuen Netflix-Politthriller

September 1938. In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen? Können sie sich überhaupt gegenseitig trauen?

Ein Roman über Hochverrat und Unbestechlichkeit, über Loyalität und Vertrauensbruch. Und wie immer bei Robert Harris lassen sich über die historischen Figuren und Ereignisse erhellende Bezüge zur aktuellen Weltpolitik herstellen.

 

Autor 

Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane »Vaterland«, »Enigma«, »Aurora«, »Pompeji«, »Imperium«, »Ghost«, »Titan«, »Angst«, »Intrige«, »Dictator«, »Konklave«, »München« und zuletzt »Der zweite Schlaf« wurden allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman Polański bei der Verfilmung von »Ghost« (»Der Ghostwriter«) brachte ihm den französischen »César« und den »Europäischen Filmpreis« für das beste Drehbuch ein. Die Verfilmung von »Intrige« – wiederum unter der Regie Polańskis – erhielt auf den Filmfestspielen in Venedig 2019 den großen Preis der Jury, den Silbernen Löwen. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire. 

 

Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag (17. Januar 2022) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Taschenbuch ‏ : ‎ 432 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3453504143 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453504141

Meine Meinung 

Der Autor nimmt uns mit in das historische Geschehen 1938 auf der Münchner Konferenz. Die beiden jungen Männer Hugh Legat aus Großbritannien und Paul von Hartmann aus Deutschland, welche sich von ihrem gemeinsamen Oxford Studium gut kennen, sind die Hauptgestalten in diesem Roman. Beide sind mit ihren Delegationen zur Konferenz gereist. Aber niemand darf deren wahren Ziele erfahren. Denn die jungen Männer wollen mit allen Mitteln einen Ausbruch des 2. Weltkrieges verhindern.

Der Inhalt um die Münchner Konferenz ist sehr gut recherchiert. In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Ziel des Treffens ist ein Abkommen über die friedliche Überlassung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich bei gleichzeitigem Verzicht des von Hitler gewollten Krieges unter Inkaufnahme des Verrats an den Tschechen. Die Politiker mit ihren Meinungen zum Abschluss des Vertrages sind sehr gut dargestellt. Dadurch erkennt der Leser sehr deutlich, wie es zu dieser Lüge kommen konnte.

Der junge Offizier Paul von Hartmann, Mitglied der Widerstandsgruppe um General Hans Oster, kann trotz Vorlage eines streng geheimen Protokolls über Hitlers kriegerische Eroberungspläne den britischen Premier nicht überzeugen, gegen den scheinbar noch beeinflussbaren Diktator vorzugehen, zumal das Schicksal der Sudetendeutschen die Engländer nicht berührt. „Ich fürchte, Sie müssen noch einige Lektionen in politischer Realität lernen“, nimmt Chamberlain dem jungen Idealisten jegliche Illusion. Chamberlains Ziel war es Zeit für England zu bekommen, um seine Verteidigung aufzubauen. Er konnte den Krieg nicht verhindern.

Mit diesem Roman sind spannende Lesestunden gewiss. Man ist als Leser mittendrin im Geschehen, ob im Münchner Führungsbau, bei den Verhandlungen oder den Versuchen der beiden jungen Männer, doch noch den Beginn des Krieges zu verhindern.

Ein Buch, das heute wieder sehr aktuell ist. Es geht immer darum, alles zu versuchen einen Krieg zu verhindern.