Freitag, 26. Juli 2019

Rezension zu "Stauffenberg- Mein Großvater war kein Attentäter"





Inhalt

Anlässlich des 75. Jahrestages des Hitler-Attentats ergreift Sophie von Bechtolsheim, die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, das Wort. Stauffenberg und sein gescheiterter Versuch, den nationalsozialistischen Wahnsinn zu stoppen, sind zu einem Mythos geworden, das Gedenken an ihn ist ritualisiert.
Die Historikerin von Bechtolsheim nähert sich ihrem Großvater ganz persönlich. Wer von Attentätern hört, denkt an Terroristen, die aus einer fanatischen Ideologie heraus Angst und Schrecken verbreiten. Nichts davon trifft auf Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu.

Autorin


Sophie von Bechtolsheim, (geborene Stauffenberg) geb. 1968 in München, ist Historikerin und Kommunikationswissenschaftlerin. Sie ist die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Aufgewachsen in Oberbayern und Franken lebt und arbeitet sie heute als Mediatorin in Uffing am Staffelsee und setzt sich zudem für den Täter-Opfer-Ausgleich ein. Sie ist verheiratet und hat vier Söhne.

Sophie von Bechtolsheim ist stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944.

Im Juni 2019 erscheint ihr erstes Buch "Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter" im Verlag Herder.
  
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten 
Verlag: Verlag Herder; Auflage: 1. (28. Juni 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3451072173 
ISBN-13: 978-3451072178


Meine Einschätzung 

Viel ist schon über Claus Schenk Graf von Stauffenberg geschrieben worden. Wer war dieser Mann, der das Attentat auf Hitler mitplante und den Sprengsatz unter dem Kartentisch des Führerhauptquartiers platzierte. Ich war neugierig auf dieses Buch, schreibt doch die Enkelin von Stauffenberg über persönliche Erinnerungen an ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat.Ihr Buch entsteht durch Erzählungen und Erinnerungen der Großmutter, des Vaters und seiner Geschwister. Auch analysiert sie die Lebensumstände und Alltagsbedingungen im Deutschland der 1930er und 1940er Jahre, um so das Leben und die Gründe seiner Tat besser verstehen zu können.
Sehr persönlich schreibt sie über ihre Erinnerungen an Fotos, Gespräche mit der Großmutter, ihre eigenen Gefühle, als sie an Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an das Attentat teilnimmt.
Sie setzt sich mit Behauptungen von Biographen zum Leben und Wirken ihres Großvaters auseinander, die oft ein falsches Bild über ihn abgeben. Der Leser erfährt auch, wie die Familien der an dem Attentat beteiligten Menschen, behandelt wurden. Kinder wurden von ihren Müttern getrennt in nationalsozialistische Heime gesteckt. Die Mütter kamen ins Gefängnis und einige von ihnen ins KZ. Auch nach dem Krieg hatten die Familienangehörigen noch über 10 Jahre einen Leidensweg zu gehen. Die Frauen bekamen keine Witwenrente und die Kinder wurden in Schule und Universität gemobbt.
Die Historikerin und Autorin von Bechtolsheim fragt danach, wie Stauffenberg und die anderen Protagonisten des 20. Juli heute noch Vorbilder sein oder es wieder werden können. Und sie stellt die Frage, wie Verantwortung und Schuld zusammenhängen und wie viel Freiheit heute wert ist.
Die Autorin fand es wichtig dieses teilweise sehr persönliche Buch zu schreiben, um zu widerlegen, dass ihr Großvater heute mit den Attentätern der Bader-Meinhof-Bande und dem Terroristen des Islams verglichen wurde und wird. Sie stellt klar, welche Gründe er hatte, zum Attentat gegen Hitler aufzurufen und unterstreicht damit ihre Meinung- Mein Großvater war kein Attentäter. 
"Er folgte seinem Gewissen. Was immer man von ihm denken mag, er hat es nicht verdient, am Ende, wie schon 1944, als "der Attentäter" verurteilt zu werden."
Dieses Buch bringt uns den Menschen Stauffenberg näher und ist auch für den Geschichtsunterricht eine gute Ergänzung. Es regt auch uns heute zum Nachdenken an, wann sollte man auch politisch handeln, um Unheil abzuwenden. 



Sonntag, 21. Juli 2019

Rezension zu " Gefährlicher Reigen am Lietzensee" von Irene Fritsch





Inhalt

1919 – Der Weltkrieg ist beendet, doch die Menschen kommen nicht zur Ruhe. Nicht nur Armut und Hunger, sondern auch Straßenschlachten, politische Morde und Streiks bestimmen ihren Alltag.
Dennoch scheint am Lietzensee der Wiederaufbau erfolgreich zu beginnen, aber das Leben am See, wo sich die Wege der unterschiedlichsten Menschen kreuzen, wird immer wieder gestört durch gefährliche Ereignisse: so müssen u.a. zwei junge Mädchen, Frieda und Olga, einen Flüchtling vor dem Freikorps verstecken, der Vater ihres Freundes wird überfallen und ausgeraubt, der Gartendirektor Erwin Barth findet eine Leiche im Lietzenseepark. Und auch der „Bruder“ eines Ringvereins schleicht am See herum, auf der Suche nach einem Verräter. Mit Hilfe von Kommissar Krause werden die Verbrechen und übrigen Geheimnisse aufgeklärt.
Schließlich ist die fulminante Aufführung des „Reigens“ in dem neuen Theater am See nicht nur für Frieda und Olga, sondern für viele ein Signal dafür, dass eine neue, vielleicht bessere Zeit angebrochen ist.

Autorin

Irene Fritsch, in Berlin geboren, wohnt seit ihrer Kindheit am Lietzensee und war viele Jahre Lehrerin an einem Charlottenburger Gymnasium. Aus ihrer intensiven Beschäftigung mit der Geschichte des Lietzensee-Parks und seiner Umgebung entstanden die Mono­graphie »Leben am Lietzensee« (2001, 5.Auflage 2008) und die Romane »Finale am Lietzensee« (2006), »Die Tote vom Lietzensee« (2007) und Kalter Krieg am Lietzensee (2009), »Charleston in der Drachenburg«, und aktuell »Vier Schüsse am Lietzensee« ihrem fünften Lietzensee-Roman.

Taschenbuch: 155 Seiten 
Verlag: TEXTPUNKT Verlag; Auflage: 1. (1. Mai 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3938414642 
ISBN-13: 978-3938414644

Meine Einschätzung 

Da ich historische Romane sehr gerne lese und ich es toll finde, wenn sie an Orten spielen, die man heute noch selber besuchen kann, bin ich auf dieses Buch neugierig geworden. Durch einen Artikel in einer Zeitung erfuhr ich mehr zu der Autorin und ihrem schriftstellerischen Schaffen.
Die heute 76jährige Irene Fritsch lebt seit ihrer Kindheit am Lietzensee und engagiert sich in einem Bürgerverein für die dortige Parkpflege. In ihren sechs Kiez-Krimis um die Hobbydetektivin Anna standen Morde im Zusammenhang mit der Geschichte des Wohngebiets um den Lietzensee.
Der neue Roman spielt im Jahr 1919. Der Autorin gelingt es sehr gut, das damalige Leben der Menschen rund um den Lietzensee darzustellen. Auch gibt es viel Interessantes zur Entwicklung der Parkanlage um den See zu erfahren. Sie bringt dem Leser auch die damalige politische Situation näher. Wie ein roter Faden zieht sich in der Geschichte ein Kriminalfall, der von der Autorin frei erfunden ist, durch die Handlung, bei dem ein Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft geschieht und es auch mehrere Tote gibt, die scheinbar mit dem Überfall zusammenhängen. Man lernt Menschen der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten kennen. Man liest von verzweifelten Menschen, die versuchen im Kiez ein besseres Leben zu finden bis zu den Reichen, die in riesigen Villen wohnen und denen es an nichts fehlt, obwohl die Lebensmittel rationiert sind. Es gibt Kämpfe zwischen Reichswehr und Spartakisten, Banden treiben ihr Unwesen und beherrschen den Markt des Verkaufes von Kokain, mit denen einige für Stunden ihrem Alltag entfliehen möchten.
Doch es gibt auch junge Menschen, die die Hoffnung haben ihre Träume zu verwirklichen. Die Freundinnen Frieda und Olga zum Beispiel, die eine Tochter eines Tabakhändlers, die andere Tochter des Pfarrers. Frieda hat einen Traum, Schneiderin in einem Modeatelier zu werden. Doch ihr Vater sieht in ihr seine Nachfolgerin im Tabakladen. Der Bruder von Olga möchte Pianist werden, doch das passt dem frommen Vater garnicht. Da sind auch noch der junge Erich und Nelly. Beide wollen für sich ein besseres Leben, aber gehen sie auch dafür den richtigen Weg?
Als Frieda und Olga einen Flüchtling am Lietzensee finden, der vor dem Freikorps geflohen ist, beginnt ein Strudel von Ereignissen, in die viele Anwohner mithineingezogen werden.
Wird es Kommissar Krause gelingen, die Verbrecher des Raubüberfalls und die Mörder zu finden?
Werden die jungen Menschen am Lietzensee ihre Träume verwirklichen können?
Der Leser kann auf ungeahnte Wendungen in der Geschichte gespannt sein.
Im Anhang des Buches gibt es einen Auszug aus einem Artikel von Erwin Barth aus  " Die Gartenkunst" 1921 mit dem Titel " Der Lietzenseepark- Charlottenburg" über die Planung der Gestaltung des Parks in der damaligen Zeit.
Mir hat das Buch spannende, unterhaltsame und interessante Lesestunden beschert. Es hat mich auch neugierig gemacht, bei meinem nächsten Berlin Besuch den Lietzensee und seinen Park einmal zu besuchen.
Ich wünsche dem Buch viele interessierte Leser.




Freitag, 19. Juli 2019

Rezension zu "Hautfreundin" von Doris Anselm

Inhalt

Gibt es noch schmutzige Worte? Hilft fesseln gegen Traurigkeit? Besitzt ein Mann mit einer schönen Stimme auch eine schöne Zungenspitze? Kann man zu zärtlich sein, wenn man bloß eine Affäre hat? Und gedeiht im Unanständigen vielleicht ein besonderer Anstand? - Sie ist eine Frau, die Sex mag und seltsame Fragen, ihre eigene Haut und die Haut ganz verschiedener Männer. Direkte Berührung ebenso wie den Salto ins Fantastische. Sie flirtet lieber unterwegs als online, weil sie den kleinen Rausch des ersten Schritts liebt. Ihr Blick auf Sex ist zugleich lustvoll und schräg, präzise und sanft. Die Männer, denen sie nah kommt, gehen ihr nah. Aber worauf steht sie eigentlich selbst? Und wie hat das angefangen? Nach und nach ergeben die Geschichten ihrer hautnahen Begegnungen eine Geschichte: die überraschend glückliche sexuelle Biografie einer freien Frau. So sinnlich erzählt, dass die Sprache selbst Feuer fängt. 

Autorin

Doris Anselm, 1981 in Buxtehude /Niedersachsen geboren, hat Kulturwissenschaften in Hildesheim studiert, anschließend volontiert und lebt in Berlin. Dort hat sie 10 Jahre lang als Radioreporterin gearbeitet. 2014 war sie Hauptpreisträgerin des Literaturwettbewerbs open mike. 

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten 
Verlag: Luchterhand Literaturverlag; Auflage: Originalausgabe (27. Mai 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 363087603X 
ISBN-13: 978-3630876030

Meine Einschätzung 

Ich war durch den Titel "Hautfreundin" sehr neugierig auf dieses Buch geworden. Der Untertitel - eine sexuelle Biographie machte mich noch neugieriger. In 13 Geschichten erzählt die Autorin die Erlebnisse einer Frau, die gern flirtet, im wahren Leben auf der Suche nach einem männlichen Partner ist, um mit ihm zärtliche Berührungen und Sex zu erleben. Sie begegnet ihnen in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Büro, im Tantracentrum, in der Jugendherberge...Dort als Teenager fing alles an, Die ersten Gefühle erweckte ein durchtrainierter Zivi. Die Frau, von der im Buch erzählt wird, ist eine freie Frau, die ihre Lust auslebt und selbstbewußt sich ihre Partner nach ihrem Bauchgefühl auswählt. Sie liebt die Leidenschaft und ist experimentierfreudig beim Sex.
Die Erzählweise der Autorin nimmt den Leser gefangen. Es artet nicht in einer pornographischen Beschreibung aus, sondern ist feinfühlig und regt die Phantasie beim Lesen an. Man erlebt das Begehren und die Lust der Hauptheldin intensiv mit.
Interessant fand ich die Beschreibung eines Zukunftsszenario, indem man davon abhängig wird, was die Mitmenschen über einen denken und wie man von ihnen mit Scannern eingeschätzt wird. Es wäre schon traurig, wenn dies einmal Wirklichkeit wird und Sehnsüchte und Gefühle nur noch durch Technik bestimmt werden...
Das Buch ist etwas besonderes in der Literatur, die Sexgeschichten beinhaltet. Es regt auch zum Nachdenken an,  über die Bedeutung und Beachtung der eigenen Lust und Gefühle bei der Gestaltung eines zufriedenen Lebens, zu dem auch guter Sex gehört. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen.
 

Montag, 15. Juli 2019

Rezension zu " Heut ist irgendwie ein komischer Tag" von Cornelius Pollmer


Inhalt

Fontane reloaded

Ein Abenteuer kann überall beginnen und sei es an einer Bushaltestelle in Brandenburg. Cornelius Pollmer ist für einen Sommer auf Weltreise im deutschen Osten. In Schlössern und Reihenhäusern, bei Truckern und Hackern, mit Busreiserentnern und der Spreewälder Dorfjugend. Im Sinne Fontanes zieht er los, mit »dem guten Willen, das Gute gut zu finden«. Dabei hat er einen Rucksack, etwas Bargeld und keinen Plan – außer dem, nicht schon am Abend wieder daheim zu sein.

Autor

Cornelius Pollmer, geboren 1984 in Dresden, studierte Volkswirtschaft und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Seit 2013 schreibt er als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung über Ostdeutschland.
  
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten 
Verlag: Penguin Verlag (10. Juni 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3328600604 
ISBN-13: 978-3328600602

Meine Einschätzung 
Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, da ich das Brandenburger Land sehr liebe und auch Fontanes Buch über seine Wanderungen kenne. Und ich wurde nicht enttäuscht. Cornelius Pollmer teilt mit uns seine Erlebnisse eines Sommers im Brandenburger Land. Alles beginnt mit einer Rundfahrt, einer neunstündigen Pilgerfahrt auf den Spuren Fontanes. Es folgen Besuche in Hermannswerder, Neuruppin, Fürstenberg, Werben, Fehrbellin, Karwe. Der Leser lernt die Menschen dort kennen, ihre Herzlichkeit, Gastfreundlichkeit und Besonderheit... Es macht Spaß durch die lebhafte Schreibweise des Autors ihn bei seinen Entdeckungen zu begleiten. Doch er ist nicht nur als Besucher gekommen, sondern hilft auch tatkräftig. Er hilft Schniepa, beim Führen seines TruckerImbisses und erlebt mit ihm Brandenburg von oben bei einem Fallschirmsprung... Er lernt Menschen kennen, die versucht haben nach der Wende mit eigenem Geschäft eine materielle Basis für ihr Leben zu schaffen...Er trifft Krafft Freiherr von dem Knesebeck, zugezogen aus dem Westen in das Land seiner Vorfahren, der einen halben Ort aufgekauft hat. Er besucht ein Hundehotel, das ua. Hunde von Prominenten, wie Iris Berben, betreut. Auf den Spuren Fontanes kommt er ua. zu den Findlingen in den Rauener Bergen und ist damit um eine Erfahrung reicher... Die Fontane Festspiele in Neuruppin begeistern ihn genauso, wie die Dorfjugend im Spreewald, die mehrere Tage ein feuchtfröhliches Dorffest auf die Beine stellen.
Das Ganze ist gewürzt mit viel Humor, denn er lernt auf seinen Begegnungen ua. die verschiedenen Formen des Bierflaschenöffnens kennen oder das Leinöl die beste Basis für eine feuchtfröhliche Nacht ist.
Das Buch ist kein Wanderführer, vielmehr zeigt uns der Autor in unterhaltender Form das Brandenburger Land und seine Menschen von heute. Fontane und seine Wanderungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Abschnitte des Buches. Am Ende der Erzählung fand ich sehr interessant, die Gedanken  des Autors zu Begriffen, die Fontane einst neu gebildet hat, bezogen auf die heutige Zeit. Gefunden hat er diese Worte im Fontanearchiv in Nauen als Liste mit dem Titel "Die 500 längsten einzigartigen Substantive bei Fontane".
Mir hat das Buch sehr unterhaltsame Lesestunden gegeben. Land und Leute des Brandenburges Landes hat mir der Autor näher gebracht und ich habe Lust, bald wieder einmal selbst auf die Spuren von Fontane zu gehen.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Rezension zu "Sturmzeichen" von Boris Meyn

Inhalt

Ein toter jüdischer Bankier. Warum wundert das keinen im Hamburg des Jahres 1929?
Ilka Bischop ist eine emanzipierte Frau: wohlhabend, Fliegerin, Journalistin, neuerdings auch schwanger – von wem, weiß sie selbst nicht genau. Eines Tages wird der Mieter eines ihrer Hamburger Häuser ermordet. Ein jüdischer Bankier. Ein antisemitisches Verbrechen? Ilka recherchiert und macht eine schmerzhafte Entdeckung: Ihr jüngerer Bruder Robert hat Kontakte zu einer der neuen rechten Parteien. Sie heißt NSDAP, der Parteichef namens Hitler wird von den reichen Hanseaten hofiert. Ilka erkennt ihre Heimatstadt nicht wieder; immer mehr ist sie davon überzeugt, dass die Mordtat ein politisches Verbrechen war. Und sie fragt sich: Welche Rolle spielte dabei ihr Bruder?
Die erfolgreiche Hamburg-Serie erreicht mit dem Ende der Weimarer Zeit eine besonders spannende historische Phase

Autor 


Boris Meyn, Jahrgang 1961, ist promovierter Kunst- und Bauhistoriker. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Hamburger Architektur- und Stadtgeschichte veröffentlicht und parallel dazu begonnen, historische Kriminalromane zu schreiben. «Der Tote im Fleet» avancierte in kürzester Zeit zum Bestseller («spannende Krimi- und Hamburglektüre», so die taz). Mit seiner Familie lebt der Autor im Lauenburgischen.
  
Taschenbuch: 256 Seiten 
Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (21. Mai 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3499274701 
ISBN-13: 978-3499274701


Meine Einschätzung

Es ist mein zweiter Roman, den ich aus der historischen Kriminalserie vom Autor Boris Meyns gelesen habe. Ich bin wieder begeistert. Der 8. Band verbindet wieder Spannung mit historischen Hintergrund. Die Erzählweise bringt dem Leser die Geschichte lebensecht näher. Der Spannungsbogen zieht sich in diesem Krimi durch das ganze Buch und man mag nicht mit dem Lesen aufhören. Die Geschichte spielt im Hamburg des Jahres 1929, die politische Lage ist gespannt, denn die NSDAP versucht mit allen Mitteln an die Macht zu kommen. Antisemitismus ist an der Tagesordnung. Aber auch Übergriffe gegen Kommunisten und Sozialdemokraten gibt es sehr oft.
Kriminelle Banden treiben ihr Unwesen und der Kampf um die besten Absatzmärkte für Heroin fordert auch Tode....
Mitten in den Spannungen kommt Ilka Bischop, die junge Fliegerin, nach Hamburg, die ich schon aus einem anderen Kriminalfall kenne. Als dann noch ein Mieter eines ihrer Hamburger Häuser ermordet wird, wird sie in einen neuen spannenden Kriminalfall hineingezogen. Sie versucht auch mit Hilfe ihres Freundes, eines Kriminalkommissars, die Täter zu ermitteln. Dabei begibt sie sich oft in gefährliche Situationen. Doch es bleibt nicht nur bei diesem einen Mord...Als sie erfährt, dass ihr Bruder sich den Nationalsozialisten angeschlossen hat, versteht sie die Welt nicht mehr. Hat er etwas mit den Morden zu tun? Hat alles einen politischen Hintergrund?
Die Auflösung erfährt der Leser in diesem spannungsgeladenen Krimi. Der Autor hat sehr gut recherchiert und man lernt beim Leser viel Interessantes über die damalige politische Situation kennen.
Ich kann dieses Buch nur allen, die gerne spannungsgeladene Krimis lesen, nur empfehlen und freue mich schon auf den nächsten Band.



Montag, 17. Juni 2019

Rezension zu "Bailey - ein Hund kehrt zurück" von W.Bruce Cameron

Inhalt

Buddy (im Film: Bailey) ist ein guter Hund. Als er beobachtet, wie die kleine Clarity in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, ist ihm klar: Dieses Mädchen braucht einen Hund, der es beschützt, und das wäre nur zu gerne er selbst. Doch erst viele Jahre später wird sein Wunsch wahr, und Clarity, die nun ein temperamentvoller Teenager ist und einige Sorgen mit sich herumträgt, nimmt ihn auf. Allerdings heimlich und gegen den Willen ihrer herrischen Mutter. Buddy ist überglücklich, aber dann werden sie getrennt. Wer wird nun auf sein Mädchen aufpassen? Bereits als TB unter dem Titel „Ich bleibe bei dir“ erschienen.



Autor

W. Bruce Cameron, 1960 geboren, ist als Kolumnist und Autor international bekannt. Seine Kolumne zur Erziehung von Teenagern war 1995 so populär, dass sie als Buch veröffentlicht wurde, das als Vorlage für die TV-Serie "Meine wilden Töchter" diente. Bruce Cameron publiziert seine Kolumnen in verschiedenen Zeitungen und arbeitet derzeit an einer Fernsehadaption von "So erziehen Sie Ihren Mann". Mit seinem Vorgängeroman "Ich gehöre zu dir" landete er auf Anhieb einen Bestseller. 





Taschenbuch: 384 Seiten 
Verlag: Heyne Verlag (13. Mai 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 345342400X 
ISBN-13: 978-3453424005


Meine Einschätzung 

 Ich habe diese Geschichte, die wie ein Märchen für Erwachsene geschrieben ist, sehr gerne gelesen. Aus der Sicht eines Hundes wird sein Alltag im Zusammenleben mit verschiedenen Menschen erzählt. Es ist der zweite Teil der Geschichten um den Hund Buddy. Am Anfang der Geschichte rettet er die kleine Clarity vor dem Ertrinken. Er erkennt, dass er sich um das Mädchen kümmern muss, da sie eine Mutter hat, die nur ihr Ego pflegt und sich kaum für die Probleme und Sorgen ihrer Tochter interessiert. Doch es wird Jahre dauern, dass er Clarity wiedersehen kann. Buddy wird als Hundemädchen wiedergeboren und das Schicksal führt ihn wieder mit Clarity zusammen. Doch die Mutter hat was gegen ihn. Er beobachtet, das Clarity unter Bulemie leidet. Als sie auch noch an die falschen Freunde gerät und durch falsche Freundschaft im Jugendknast landet, gerät er in Lebensgefahr, denn Claritys Mutter kümmert sich nicht um ihn. 
In der Geschichte wird seine Hundeseele in verschiedenen Hundekörpern wiedergeboren. Doch immer wieder kreuzen sich die Wege von Clarity und ihrem Hundeschutzengel, vom Mädchen bis zur alten Frau. Geschrieben mit viel Gefühl, Humor und Leidenschaft
Ich finde die Erzählung sehr gefühlvoll geschrieben und es ist interessant den Alltag des Menschen mal aus Sicht eines Hundes zu erleben, der vieles nicht versteht oder nur auf seine eigene Art und trotzdem der beste Freund des Menschen sein kann und will.
Sehr zu empfehlen nicht nur für alle Hundeliebhaber. Man braucht auch nicht den ersten Band zu kennen, durch Rückblicke wird der Handlungsablauf schnell klar.

Freitag, 7. Juni 2019

Rezension zu "Mama im UnRuhestand" von Lucinde Hutzenlaub

Inhalt

Mütter sind großartig. Sie bewegen die Welt oder halten sie an, je nach Bedarf. Sie sind Superheldinnen, Schönheitsköniginnen und Vorbilder - solange wir Kinder sind. In der Pubertät streiten wir mit ihnen, distanzieren uns und wollen alles ganz anders machen. Sobald wir selbst Mütter sind, verstehen wir, was sie damals für uns getan haben (gut, das meiste jedenfalls) und wollen ihnen dafür etwas zurückzugeben. Wir wollen ihnen einen gemütlichen Lebensabend bieten. Wer nun meint, das wüssten unsere Rentner-Muttis gebührend zu schätzen, liegt völlig falsch. Jetzt ist ihr Moment gekommen, um selbst noch einmal durchzustarten. So auch die Mutter unserer Bestsellerautorin Lucinde Hutzenlaub: Mit 78 ein Tattoo? Warum nicht. Nach Sri Lanka zur Ayurveda-Kur? Jederzeit. Ein Smart mit Sport Ausstattung? Sowieso. Swing Tanzen, Fahrradtouren – Oma Moses ist dabei. Und Lucinde ist schon vom bloßen Zuhören erschöpft.

Autorin


Lucinde Hutzenlaub wurde 1970 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur lebte und studierte sie mehrere Jahre im Ausland. Lucinde ist Autorin, Kolumnistin, Kommunikations-Designerin und Heilpraktikerin. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und zwei Katzen, leider keinen Hund, reist sehr gerne und lebte von 2009 bis 2012 mit ihrer Familie in Japan, wo auch Lucindes erstes Buch "Hallo Japan" entstanden ist.

Taschenbuch: 272 Seiten 
Verlag: Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH; Auflage: 1. (7. Juni 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3959102143 
ISBN-13: 978-3959102148


Meine Einschätzung 

Mich hat der Titel sehr angesprochen und ich war dadurch neugierig auf das Buch geworden. Erwartet habe ich eine humorvolle Geschichte über den abwechslungsreichen Alltag einer 78 Jahre alten Frau, die auch in diesem Alter noch lange nicht in Ruhestand gehen möchte, sondern jung geblieben ist. Doch ganz so entspricht der Inhalt des Buches nicht dem Titel. Die Autorin beschreibt in ihrem Buch teils die Biographie ihrer Mutter, erzählt aus ihrer eigenen Kinder- und Jugendzeit, einen Abschnitt widmet sie dem Leben ihres Vaters, der leider schon verstorben ist, um dann auch einige gemeinsame Erlebnisse mit ihrer jung gebliebenen Mutter zu beschreiben. Ihre Mutter, Karin Reichert-Frisch, war eine Leistungssportlerin und nahm sogar an den Olympischen Spielen teil. Sie gehört zu der heutigen Rentnergeneration, die mit viel Lebensoptimismus ihren Ruhestand genießt und auch die moderne Technik, sei es PC oder Smartphone beherrscht. Auch Facebook begeistert sie und so hat sie innerhalb kurzer Zeit viele neue Freunde, dort gefunden.
Mich hat die unterhaltsame und teils humorvolle Schreibweise gut gefallen und ich habe das Buch in wenigen Stunden durchgelesen. Sehr berührt hat mich die enge Verbindung zwischen der Autorin und ihrer Mutter. Sie verbringen viel Zeit miteinander und die Autorin hält auch regelmäßig zu ihr Kontakt. Das ist in unserer stressigen Zeit nicht so selbstverständlich. Das Buch zeigt auch, dass sich die Generationen gegenseitig viel zu geben haben und das es sehr wichtig ist, sich gegenseitig zu tolerieren, auch wenn man mal unterschiedlicher Meinung ist. Es gibt Anregung über sein eigenes Verhältnis zu seiner Mutti nachzudenken. Zum Abschluss des Buches gibt es eine Bucket Liste- Was die Autorin mit ihrer Mutti gern noch einmal machen möchte. Mit Hilfe eines Tests kann der Leser schließlich herausfinden, was für ein Typ seine eigene Mutti ist. Diese werden auch zum Abschluss beschrieben.
Zusammenfassend kann ich einschätzen, auch wenn der Titel des Buches etwas irreführend ist, ist es ein Buch, das man so schnell nicht vergißt. Ein Dankeschön für die Liebe einer Mutter und eine Anregung über den Zusammenhalt in der eigenen Familie nachzudenken.