Mittwoch, 13. März 2019

Rezension zu "Serotonin" von Michel Huellebecq

Inhalt

Als der 46-jährige Protagonist von SEROTONIN, dem neuen Roman des Goncourt-Preisträgers Michel Houellebecq, Bilanz zieht, beschließt er, sich aus seinem Leben zu verabschieden – eine Entscheidung, an der auch das revolutionäre neue Antidepressivum Captorix nichts zu ändern vermag, das ihn in erster Linie seine Libido kostet. Alles löst er auf: Beziehung, Arbeitsverhältnis, Wohnung. Wann hat diese Gegenwart begonnen? In der Erinnerung an die Frauen seines Lebens und im Zusammentreffen mit einem alten Studienfreund, der als Landwirt in einem globalisierten Frankreich ums Überleben kämpft, erkennt er, wann und wo er sich selbst und andere verraten hat.

Noch nie hat Michel Houellebecq so ernsthaft und voller Emotion über die Liebe geschrieben. Zugleich schildert er in SEROTONIN den Kampf und den drohenden Untergang eines klassischen Wirtschaftszweigs in unserer Zeit der Weltmärkte und der gesichtslosen EU-Bürokratie.

Autor

Michel Houellebecq wurde 1958 auf La Réunion geboren und wuchs bei seinen Großeltern in Crécy-La-Chapelle auf.

1980 erhielt er sein Diplom als Agraringenieur, danach arbeitete er im Informatik-Bereich.
Houellebecq veröffentlichte zunächst Gedichtbände, für die er bald mit Preisen ausgezeichnet wurde. 1992 wurde ihm der Prix Tristan Tzara für »Suche nach Glück«, 1996 der Prix de Flore für »Der Sinn des Kampfes« verliehen. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem ersten Roman »Ausweitung der Kampfzone«.

Gebundene Ausgabe: 330 Seiten 
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 6 (25. Januar 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3832183884 
ISBN-13: 978-3832183882

Meine Einschätzung 

Es ist ein sehr umstrittenes Buch und gerade deshalb, war ich sehr neugierig darauf. Ich hatte vorher den Autor noch nicht gekannt. Es ist eine Geschichte, die das Leben pessimistisch darstellt, aber viele Fragen aufwirft. Eine Kritik an die westliche Kultur, die sich anscheinend nur mit starken Psychopharmaka aushalten lässt.
Eine Welt wird dargestellt, in der es für die Liebe kaum Platz gibt und sie somit verkommt zur Befriedigung der sexuellen Lust. Es zeigt auf, wie groß die Gefahr ist, in unserer Gesellschaft zu vereinsamen, selbst wenn die materielle Basis des eigenen Lebens gesichert ist. Auch manifestiert es den Hang zum schnellen Griff zu einer Pille, um weiter zu funktionieren im Hamsterrad des Lebens.
Der Autor zeigt ua. die Probleme der heutigen Landwirtschaft, die Verzweiflung vieler Kleinbauern, die gegen große Konzerne in der Lebensmittelindustrie kaum Mittel haben, um ihre Existenz zu retten.
Die Schreibweise ist voller Sarkasmus und schwarzem Humor. Die Handlung oftmals verwirrend, wenn der Protagonist sich in Tagträumen flüchtet oder er von Erinnerungen eingeholt wird, die wieder abrupt enden. Das unterstreicht aber seine depressiven Phasen, die durch Psychopharmaka und Alkohol noch verstärkt werden. Der Satzbau ist meisterhaft - obwohl mancher Satz fast eine Seite lang ist, stört das nicht im Lesefluss. In der Ich-Erzählung geschrieben, lesen wir die Geschichte des jungen Franzosen Florent-Claude Labrouste.
Er ist 46 Jahre alt, hat 700 000 Euro auf dem Konto, verfällt in eine tiefe Depression, denn er findet keinen Ausweg aus seiner Beziehung zu einer Japanerin, die für ihn zwar noch sexuell anziehend ist, aber ihm kein Gefühl der Liebe mehr gibt. So machen wir uns mit ihm auf den Weg, der sein neuer Lebensabschnitt sein soll. Doch auch hier findet er nur unglückliche Männer, verlassen von ihren Frauen, ohne Zukunft...Als auch noch Weihnachten vor der Tür steht und ihm sein Arzt als Ausweg vor einer verstärkten Depression eine Reise nach Thailand und Sex mit jungen Frauen empfiehlt, scheint eine Welt für ihn zusammenzubrechen...Es kommen wieder Erinnerungen an seine große Liebe zu Camille hoch, die er mit der Japanerin betrogen hat und er versucht sie zu finden.
Das Buch hat mir selber einige Probleme beim Lesen bereitet. Besonders die Beschreibungen der Sexpraktiken der Japanerin mit Hunden und die immer wieder auf Schwanzlutschen und feuchten Muschis reduzierten wiederholten Beschreibungen des Zusammenlebens zwischen Frau und Mann, sowie die Beschreibung der Praktiken eines Pädophilen mit einem kleinen Mädchen finde ich frauenfeindlich und für die Handlung nicht notwendig. Auch die kranken Phantasien des Florent-Claude, der Schießübungen macht, um den vierjährigen Sohn seiner einstmals Geliebten zu ermorden, um wieder mit ihr eine Beziehung einzugehen, finde ich absurd und grausam. Sein Motto: "Wer nicht den Mut hat zu töten, hat nicht den Mut zu leben!" entspringt dem Hirn eines Psychopathen, wie der Hauptprotagonist einer ist, und unterstreicht den schwarzen Sarkasmus des Autors beim Schreiben dieser Geschichte. Auch Goethe als "altes Rindvieh und einem der grauenvollsten Schwafler der Weltliteratur" hinzusstellen, entbehrt jeder Realität.
Zusammenfassend kann ich nur feststellen, das das Buch die Diskussion um den Sinn des Lebens bereichert. Auf jeden Fall regt es zum Nachdenken an, ob wirklich schnell verschriebene Pillen und Alkohol das Leben bereichern oder ehe zerstören können. Es gibt Einblicke in die EU Politik und dadurch entstandene verzweifelte Lage der Bauern in Frankreich.
 Es ist ein düsteres Buch, das einem mit vielen Fragen alleine lässt : „Die meisten Menschen leben mit der Verzweiflung, hin und wieder fragen sie sich trotzdem, ob sie sich zu einem Hauch von Hoffnung hinreißen lassen sollen, zumindest stellt sich ihnen die Frage, bevor sie sie verneinen. Dennoch machen Sie beharrlich weiter und das ist ein bewegendes Schauspiel. “

Donnerstag, 7. März 2019

Rezensionzu "Secret Places- 100 unbekannte Traumreiseziel weltweit"

Vom Regenwald und Korallenriff zu feuerspuckenden Vulkanen und Geysiren

Secret Places, Belize
Secret Places, Belize
Secret Places, Tal der Geysire, Kamtschatka
Secret Places, Tal der Geysire, Kamtschatka

Tropisch entspannt - Belize

Belize ist ein kleines Land, dennoch hat der mittelamerikanische Staat vieles zu bieten: Hier findet man Traumstrände und eindrucksvolle Maya-Ruinen, winzige Inseln und riesige Korallenriffe sowie eine reizvolle Mischung asiatischer, europäischer, süd- und mittelamerikanischer Küchen.
Belizes Barriereriff ist nach dem Barrier Reef vor Australien das größte der Welt. Es ist gut 250 Kilometer lang und zieht sich vom Norden, von der mexikanischen Halbinsel Yucatán und der Insel Cozumel an der ganzen Küste Belizes entlang bis nach Honduras. Hier findet man traumhafte Inseln mit wunderbaren Palmen, Puderzuckersand an den Stränden und herrlich hellblauem Wasser und eine weitgehend intakte Unterwasserwelt.

Tropisch entspannt - Belize

Belize besitzt reichlich Regenwald und ein tropisches Klima. Deshalb ist die Regenzeit auch wesentlich länger als die Trockenzeit von Februar bis Mai. Allerdings: Regenzeit bedeutet nicht, dass es von morgens bis abends pausenlos regnet. Die Leute sind hilfsbereit, interessiert und sehr relaxed. Nach Costa Rica dürfte Belize das sicherste Land in Mittelamerika sein.

Heiße Flüsse und kochende Fontänen: das Tal der Geysire, Kamtschatka

Der Vulkanismus hat auf der Halbinsel Kamtschatka viele Gesichter, eines seiner schönsten zeigt er im Tal der Geysire. Nur sechs Kilometer lang und wenige hundert Meter breit, beherbergt es Asiens einziges Geysirfeld, das zudem mit der weltweit zweithöchsten Konzentration dieser kochend heißen Naturphänomene aufwartet. 90 Geysire schießen hier ihre Fontänen bis zu 40 Meter in die Höhe.

Tal der Geysire: Warme Oase für Bär, Vielfraß und Murmeltier

Kein Wunder, dass das Tal auch für Tiere reizvoll ist. Nach der Winterruhe versammeln sich dort im Frühjahr viele der sonst als Einzelgänger lebenden Kamtschatka-Braunbären auf lustvoller Partnersuche. Nach der Paarung gehen die Tiere zwar wieder auseinander, etliche von ihnen bleiben jedoch den ganzen Sommer über im Tal der Geysire. Dort ist vom Frühjahr bis in den Herbst der Tisch reich gedeckt und die warmen Quellen laden zum Baden ein. Dabei lassen sich die Tiere auch durch neugierige Menschen nicht stören, haben sie doch gelernt, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht, auch wenn die Ranger sicherheitshalber immer bewaffnet sind. Aber auch andere Tiere fühlen sich im Tal der Geysire wohl. Murmeltiere bekommt man dagegen nur mit Glück zu Gesicht und besonders heimlich leben die Vielfraße, die vorwiegend nachts auf Beutefang gehen.



Mittwoch, 6. März 2019

Rezension zu "Sagenhaftes Deutschland - eine Reise zu mythischen Orten" von Kilian Schönberger

Inhalt

Ein ganz außergewöhnlicher Bildband über Deutschland. Fotografien geheimnisvoller Burgen und Schlösser, verwunschener Winkel und magischer Berge bilden einen Brückenschlag in die längst vergangenen Zeiten von Sagen, Legenden und Märchen. Entdecken Sie die Landschaften Deutschlands in poetischen Bildern vom Dornröschenschloss im Habichtswald in Hessen, vom Brocken im Harz und vom Gespensterwald bei Nienhagen an der Ostsee. Sagenhaftes Deutschland!

Autor

Kilian Schönberger kam aus der ostbayerischen Oberpfalz ins Rheinland. Er studierte Geografie, Städtebau und Soziologie. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Island und Norwegen arbeitet er seit 2013 als freier Architektur- und Landschaftsfotograf vor allem in Deutschland. Seine Motive findet er im Themenfeld von Natur- und Stadtlandschaften. Mit seinen Bildern will er Landschaften nicht nur dokumentieren, sondern vielmehr als visuell erlebbare Räume zeigen. Für das Buchprojekt "Sagenhaftes Deutschland" begab er sich ein Jahr lang auf eine Reise quer durch Deutschland. Rund 70 000 Kilometer legte er dafür zurück. Die Suche nach den passenden Motiven führte ihn in alle Winkel des Landes. Der Autor lebt und arbeitet in Köln.

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten 
Verlag: Frederking & Thaler Verlag GmbH; Auflage: Neue (26. November 2018) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 9783954161690 
ISBN-13: 978-3954161690

Meine Einschätzung

Dieser Bildband zeigt uns verwunschene, geheimnisvolle Orte in Deutschland, die neugierig machen, selbst einmal diese Landschaften zu entdecken. Von den Küstenregionen über den Osten mit seinen Mittelgebirgen und den Westen mit seinen Flußlandschaften bis in die Alpenregion nimmt uns der Autor mit seinen Fotos auf eine Reise in unser schönes Land mit. Verbunden ist diese Reise mit Texten, die uns die Sagen der jeweiligen Region näher bringen. So sind es die Felsregionen im Harz, die von Riesen oder vom Teufel geschaffen sein sollen. Oder wer kennt nicht die Sage von der schönen Loreley, die auf einem Felsen am Rhein lebte...Im Erzgebirge oder Ruhrgebiet, das reich an Bodenschätzen ist, leben der Sage nach Berggeister und Grubenzwerge...
Der aufmerksame Leser lernt Interessantes aus der Zeit der Romantik kennen. In dieser Zeit wurden Sagen und Märchen gesammelt, um sie unsterblich zu machen. In die Welt der Sagen und Mythen taucht dieser Bildband ein und verzaubert den Betrachter mit wundervollen Aufnahmen. Die oft ganzseitigen farbigen Fotos sind sehr gut ausgewählt und machen diesen Bildband zu einem Schatz in jedem Bücherschrank. Die teils unbekannten Orte werden genau erklärt und man erfährt viel aus ihrer Geschichte. Verbunden sind die Fotos mit passenden Texten großer Klassiker, wie Goethe, Theodor Storm, Heinrich Heine. Ein Kapitel führt zB. in die Heimat der Märchenwelt der Gebrüder Grimm nach Nordhessen. Man lernt den Habichtswald, der auch der "Märchenwald der Gebrüder Grimm" genannt wird und das Dornröschenschloss Sababurg näher kennen.
Ein anderes Kapitel erzählt von Nixen, Waldgeistern und keltischen Mythen ua. in der Bodenseeregion.

Für mich war es auch eine Reise zu mir bekannten Urlaubsorten, die ich hier oft von einer ganz anderen mystischen Seite und ihrer Geschichte kennenlernte.
Ich kann diesen Bildband nur jedem empfehlen, der mehr über unsere schöne Heimat erfahren möchte.

Dienstag, 5. März 2019

Rezension zu "Das Haus der Verlassenen" von Emily Gunnis

Inhalt

Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, schickt ihr liebloser Stiefvater sie fort – ins St. Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren, berüchtigten Klosterbau nie mehr verlassen ...

Sechzig Jahre später stößt die Journalistin Sam in der Wohnung ihrer Großeltern auf einen flehentlichen Brief Ivys. Er ist an den Vater ihres Kindes adressiert – aber wie ist er in den Besitz von Sams Großvater gelangt? Sam beginnt die schreckliche Geschichte von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte.

Autorin 

Emily Gunnis arbeitete lange beim Fernsehen, unter anderem als erfolgreiche Drehbuchautorin. »Das Haus der Verlassenen« ist ihr Debutroman. Die Tochter der internationalen Bestsellerautorin Penny Vincenzi lebt mit ihrer Familie im südenglischen Sussex. 

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Verlag: Heyne Verlag (18. März 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3453272129 
ISBN-13: 978-3453272125


Meine Einschätzung

Dieser Roman hat mich schon vom Titelbild in seine düstere Atmosphäre gezogen. Auch wenn die Geschichte von der Autorin als fiktiver Roman aufgeschrieben wurde, hat es doch eine sehr traurige wahre Grundlage. In vielen britischen und irischen Mutter- Kind- Heimen wurden die jungen Frauen in den 50iger und 60iger Jahren gezwungen, ihre Babys zur Adoption freizugeben und oft mussten sie hochschwanger schwerste Arbeiten verrichten. In ihrer Recherche erfuhr die Autorin, dass es Tausende betroffene Frauen in Großbritannien und Irland gibt. Die von Nonnen geführten Heime zogen Profit aus der Vermittlung von Adoptionen. Auch die im Buch geschilderten Medikamentenversuche hat es in Irland gegeben.
Als ich das Buch las, glaubte ich immer eine Geschichte zu lesen, die im Mittelalter spielt. Doch es war in der Zeit der 50iger und 60iger Jahre, als dies alles geschah. Noch dazu waren Nonnen und Pater, diejenigen, die die jungen Frauen quälten und demütigten und ein Geschäft aus den Adoptionen machten.
Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen beschrieben. Einmal beginnend vom Jahr 1956 - Anfang der 60iger Jahre und einmal 2017. Außerdem erfährt der Leser in anderen Zeitsprüngen Hintergründe, die wichtig zum Verständnis der Handlung sind.
Dadurch wird immer wieder ein Spannungsbogen aufgebaut, der den Leser kaum loslässt und ihn immer wieder in die Handlung hineinzieht. Die Schreibweise ist sehr bildhaft. Beim Lesen läuft ein richtiger Film ab und man bangt und hofft mit den literarischen Gestalten.
Auf der einen Seite begleiten wir Ivy, die junge schwangere Frau, die immer noch an ihre Liebe zu einem Fußballprofi glaubt und hofft, dass er sie aus dem düsteren, grausamen Alltag des Mutter- Kind-Heimes herausholt. In heimlich von ihr geschriebenen Briefen fleht sie ihn an, sie und ihr gemeinsames Baby zu retten. Diese Briefe werden 2017 von Sam, einer jungen alleinerziehenden Schriftstellerin im Hause ihrer Großeltern gefunden. Tief beeindruckt vom beschriebenen Schicksal der jungen Ivy macht sich Sam auf Spurensuche. Damit kommt sie in einen Strudel unvorhergesehener Ereignisse und teilweise auch in Gefahr, denn auch sie ist persönlich plötzlich von Ivys Schicksal betroffen...Irgendjemand ist daran interessiert, alle Spuren der Grausamkeiten im Nonnenkloster zu beseitigen und es bleibt nur noch wenig Zeit zur Recherche, denn das Heim soll in wenigen Tagen abgerissen werden. Doch plötzlich findet Ivy Hinweise, auf teils unerklärliche Todesfälle. Es scheint, dass jemand die Menschen bestraft, die damals so viel Grausames im Mutter- Kind- Heim den jungen Frauen und ihren Kindern angetan haben...
Wird es Sam rechtzeitig gelingen, alle Spuren zusammen zu führen und aufzuklären?
Der Roman hat mich tief berührt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Manche beschriebene Szene des Schicksals der Frauen und Kinder ist kaum auszuhalten und man ist empört von den Grausamkeiten der Menschen gegenüber den jungen Mädchen und Frauen, die keinen Ausweg hatten, als sich den Nonnen im Heim anzuvertrauen.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Es ist ein Denkmal für alle damals betroffenen Frauen und Kinder und Mahnung diese Unmenschlichkeit nicht mehr zuzulassen.


Donnerstag, 28. Februar 2019

Rezension zu " Die Fliedertochter"von Teresa Simon







                                                                                                                                                                                 Inhalt

Eine geheimnisvolle Schneekugel. Das Erbe einer starken Frau. Eine Liebe, die sich nie erfüllt hat.

Berlin 1936. Die Sängerin Luzie Kühn steht ganz am Anfang ihrer Karriere und träumt von einem Leben im Rampenlicht. Doch als Jüdin fühlt sie sich nicht mehr sicher und verlässt Berlin in Richtung Wien. Sie verliebt sich in den charismatischen Bela Król und schwebt im siebten Himmel, doch schon bald wird klar, dass Luzie auch in Wien nicht sicher ist ...

Berlin 2018. Paulina Willke wird von ihrer mütterlichen Freundin Antonia gebeten, in Wien ein Erbstück für sie abzuholen. Sie ahnt nicht, dass die Reise nach Wien ihr Leben verändern wird ...

Autorin 

Teresa Simon ist das Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin. Sie reist gerne (auch in die Vergangenheit), ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale, hat ein Faible für Katzen, bewundert alles, was grünt und blüht, und lässt sich immer wieder von stimmungsvollen historischen Schauplätzen inspirieren. 

Taschenbuch: 496 Seiten 
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (11. Februar 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3453421450 
ISBN-13: 978-3453421455

Meine Einschätzung

Die Autorin gehört zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen und da ich auch die anderen Bücher in dieser Reihe mit Begeisterung gelesen habe, war ich schon sehr gespannt auf diese neue Geschichte.
Ich wurde nicht enttäuscht. Durch ihre lebendige Schreibweise wurde ich von der ersten Seite an in diese sehr bewegende Geschichte gezogen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen...
Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen dem Leser nahe gebracht. Es geht um drei Generationen von Frauen, die durch eine Familiengeschichte, die einige Geheimnisse birgt, miteinander verbunden sind. Da ist Paulina, eine junge Frau, die im Auftrage von Toni 2018, nach Wien reist, da sie selbst gesundehitlich nicht mehr dazu in der Lage ist. Toni ist für Paulina wie eine Ersatzoma. Die alte Frau hat Post aus Wien bekommen, dass auf sie dort ein Erbstück wartet. Paulina wird von der Wiener Familie liebevoll aufgenommen und bekommt ein Tagebuch einer jungen Frau überreicht, die Halbjüdin war und zu ihrem Schutz während der Nazizeit von Wiener Verwandten als ihre Tochter aufgenommen wurde. Durch die Tagebuchaufzeichnungen erfährt Paulina viel vom Schicksal dieser jungen Frau. Paulinas Mutter hingegen, wahrt ein Geheimnis, in dem Paulina eine wichtige Rolle spielt. Doch sie findet nie den richtigen Zeitpunkt ihr das Geheimnis mitzuteilen, denn sie weiß, dass es Paulinas Leben durcheinanderwirbeln wird...Als Leser begleitet man die Mutter auf ihrer Wanderung auf dem Jakobsweg und erfährt viel Persönliches aus deren Leben.
Diese 3 Erzählstränge bringen viel Spannung in die Geschichte. Aber besonders haben mich die Tagebuchaufzeichnungen, beginnend 1936 und das schwere Schicksal von Luzie berührt. Am Anfang findet sie schnell in Wien eine Heimat und ihre große Liebe. Dazu wird sie noch als junge Schauspielerin am Theater begeistert aufgenommen. Alles scheint in Ordnung und voller Glücksmomente. Bis der Zeitpunkt kommt, als die deutschen Faschisten in Wien einmarschieren und alles in Luzies Leben zerstören. Besonders grausam ergeht es den jüdischen Bürgern der Stadt.
Mit ihrer ganz besonders ansprechenden Art des Schreibens bringt die Autorin dem Leser auch die geschichtlichen Hintergünde der damaligen Zeit näher. Ich habe mit Luzie gebangt, gehofft, gelacht und geweint. 
Die Geschichten der vier Frauen werden auf den letzten Seiten zusammengeführt und man erfährt als Leser, welchen Zusammenhang das Tagebuch mit dem Leben von Toni, Pauline und ihrer Mutter hat.
Auch warum der Titel "Die Fliedertochter" heißt, erfährt man in diesem lange nachhallenden Buch.
Man lernt viel von der Stadt Wien und ihren Einwohnern kennen. Besonders im Erzählstrang, der die Erlebnisse von Paulina beschreibt und ihre Entdeckungen in den Straßen von Wien, bringt einem beim Lesen diese Stadt näher. Schön finde ich am Ende des Buches die Rezepte von leckeren österreichischen Gerichten, die direkt zum Nachkochen und Nachbacken anregen.

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der mehr über die Zeit des Faschismus, besonders in Wien, erfahren möchte und gleichzeitig viel Interessantes aus dem Wien der heutigen Zeit.












Dienstag, 19. Februar 2019

Rezension zu "Die andere Frau" von Michael Robotham

Inhalt

Vater William ist Opfer eines brutalen Überfalls geworden und liegt im Koma. Joe eilt ins Krankenhaus – und hält schockiert inne, als er das Zimmer betritt. Denn am Bett seines Vaters sitzt nicht Joes Mutter Mary, sondern eine völlig Fremde, tränenüberströmt, mit blutbefleckten Kleidern und der absurden Behauptung, Williams Ehefrau zu sein. Wer ist sie wirklich? Bekannte, Geliebte, verwirrte Seele – Mörderin? Gegen den Willen der Polizei beginnt Joe, eigene Ermittlungen anzustellen. Und muss erkennen, dass er für die Wahrheit einen hohen Preis bezahlt …

Autor

Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Er war lange als Journalist tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit seinen Romanen stürmt er regelmäßig die Bestsellerlisten und wurde bereits mit mehreren Preisen geehrt. Michael Robotham lebt mit Familie in Sydney.

Broschiert: 480 Seiten 
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (27. Dezember 2018) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3442315042 
ISBN-13: 978-3442315048


Meine Einschätzung 

Es ist das erste Buch, das ich von diesem Autor gelesen habe und es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Sein erstes Buch "Adrenalin" wurde sofort ein Bestseller, dem weitere Bücher inzwischen in Millionenfacher Auflage in 25 Sprachen übersetzt, folgten.
Während es in den bisherigen 10 Bänden, um verschiedene Serienkiller geht, bringt uns hier die Handlung den Hauptgestalten der anderen Bücher, den Psychologen Joe O'Loughlin  und seine Familie näher.
Joe O'Loughli, der seine Frau vor 2 Jahren verloren hat und trotz aller Trauer versucht seinen beiden Töchtern ein liebevoller Vater zu sein, kommt durch die Nachricht, dass sein Vater William nach einem Unfall, oder war es ein brutaler Überfall..., im Koma liegt, in eine Spirale unerwarteter Ereignisse. Am Schlimmsten für ihn ist, dass er erfahren muss, dass sein Vater ein Doppelleben geführt hat. Sehr feinfühlig und überzeugend entwickelt der Autor die psychologischen Hintergründe dieses Leben und der grausamen Tat.
Da Joe sich in einem Geflecht aus Lügen, Vermutungen, falschen Freunden wiederfindet, bittet er seinen Freund und jahrelangen Wegbegleiter bei der Aufdeckung schwerer Verbrechen,
Vincent Ruiz, um Hilfe. Wird es beiden gelingen, den wahren Täter zu ermitteln? Welche Rolle spielt die Frau, der Joe am Bett seines Vaters in der Intensivstation begegnet und wieviel weiß seine Mutter vom wahren Leben ihres Ehemannes?
Anders als bei gewohnten Thrillern, wird hier sehr psychologisch bei der Spurensuche vorgegegangen. Doch das mindert in keinem Fall die Spannung im Handlungsablauf. Die einzelnen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet worden und beim Lesen hofft und bangt man mit den Akteuren. Besonders Joe ist mir sehr ans Herz gewachsen. Da er trotz seiner Parkinson Erkrankung versucht, immer für seine Familie da zu sein und an seine körperlichen Grenzen geht, um diesen Fall schnell zu lösen. Unerwartete Wendungen in der Handlung erwarten den Leser und er wird selbst angeregt, Schlußfolgerungen auf den Täter und den Grund für das Verbrechen zu ziehen.
Ich werde nun auch die anderen bereits erschienenen Bücher von Michael Robotham lesen und kann diesen Thriller nur weiterempfehlen.

Sonntag, 10. Februar 2019

Rezension zu " Eisige Tage" von Alex Pohl


Inhalt

Die Welt des Verbrechens beginnt vor deiner Haustür ...

Winter in Leipzig, die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die steifgefrorene Leiche eines Anwalts gefunden. Was für die smarte Kommissarin Hanna Seiler und ihren starrköpfigen Kollegen Milo Novic zunächst nach einem Routine-Mordfall aussieht, entpuppt sich rasch als ein Dickicht krimineller Verstrickungen: Im Besitz des Toten finden sie skandalträchtiges Material, darunter das Foto eines minderjährigen Mädchens, das seit einer Woche vermisst wird. Während die Stadt im Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben …


Autor 

Alex Pohl hatte jede Menge Jobs, bevor er mit seinen Bestsellern das große Publikum eroberte – heute erreichen seine unter dem Pseudonym L.C. Frey verfassten Thriller regelmäßig Auflagen in sechsstelliger Höhe. »Eisige Tage« ist der Auftakt einer neuen Krimireihe rund um den Tatort Leipzig und seine erste Veröffentlichung unter Klarnamen. Alex Pohl wohnt in Leipzig. 

Taschenbuch: 432 Seiten 
Verlag: Penguin Verlag; Auflage: Originalausgabe (11. Februar 2019) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3328103236 
ISBN-13: 978-3328103233



Meine Einschätzung 

Es ist mein erstes Buch, das ich von diesem bekannten und sehr beliebten Autor gelesen habe, der sonst unter seinem Pseudonym L.C. Frey seine Thriller veröffentlichte. Zu Hause ist er, genau wie ich, in Leipzig. Dort spielt nun auch die neue Krimiserie, die mit diesem Buch eröffnet wird. Ich war natürlich sehr neugierig einen Krimi zu lesen, der in meiner Heimatstadt spielt und wurde nicht enttäuscht. Man bemerkt schon, dass Alex Pohl ein Leipziger ist, denn die Orte in der Stadt, in denen die Ereignisse in diesem Thriller spielen, werden sehr genau beschrieben und so kann man als Leser, die Handlung, wie in einem Film, vor sich sehen.
Von der ersten Seite an, hat mich der Thriller in seinen Bann gezogen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und auch danach bewegt mich die Handlung immer noch. Denn vom Autor werden Probleme, die die Kriminalität und Sicherheit in Leipzig betreffen, angesprochen. Auch wenn die Handlung fiktiv und schriftstellerisch übertrieben dargestellt ist, sind die Grundlagen dafür, wie Bandentum, obdachlose Jugendliche, Kinderstrich, Pädophilie, Schleuserbanden leider auch im echten Leben aktuell vorhanden. Man begleitet das Ermittlerteam Hanna Seiler und Milo Novic, das versucht, Verbrechen in Leipzig aufzudecken. Dabei erfährt der Leser auch viel Persönliches dieser Beiden. Hauptkommissarin Hanna Seiler mit 37 Jahren schon Witwe und alleinerziehende Mutti von einem 9jährigen Jungen, liebt ihre Arbeit und ermittelt präzise, leidet aber auch zunehmend unter der Belastung zwischen Beruf und alleinerziehend. Außerdem scheint sie durch alte Fälle mit der Leipziger Unterwelt verstrickt zu sein...
Hauptkommissar Milo Novic, 34 Jahre, Single, gebürtiger Serbe, eine Schwester, die auch in Leipzig lebt, ist ein mutiger Ermittler, aber kein Teamplayer, leidet unter seinen schlimmen Erlebnissen während des Krieges im Kosovo.
Der Autor schildert gekonnt in verschiedenen Erzählsträngen und zeitgeschichtlichen Sprüngen, wie es zum Mord an einem russischen Anwalt kommen konnte, der ua. auch den Boss der russischen Mafia in Leipzig vertreten hat. Dabei wird der Leser aufgerufen, selbst zu kombinieren, Spuren zu vergleichen, Charaktere und ihre Abgründe zu erkennen und selbst Schlußfolgerungen zum Tatmotiv und Täter zu ziehen. Das alles ist verwoben in einer spannenden Handlung, die immer wieder mit neuen Wendungen überrascht. Man erfährt auf der einen Seite viel von den Tätern und Opfern und auf der anderen Seite begleitet man die Kommissare auf ihrer Spurensuche, die oft gefährliche Situationen für die Beiden bereithält. So hofft, bangt und zittert man beim Lesen, atmet im weiteren Verlauf der Handlung wieder auf, um einen Lesemoment weiter, wieder in einen Strudel atemberaubender Geschehnisse gezogen zu werden. Es ist ein Buch, das seinesgleichen sucht...
Die Handlung ist vor Weihnachten angelegt, einer Zeit, die eigentlich Frieden in die Herzen bringen soll. Doch es gibt in der Stadt Jugendliche, die heimatlos sind, sich mit ihrer Familie zerstritten haben. Da sind zwei russische Brüder, deren Onkel der Chef der Russenmafia in Leipzig ist. Und wir begegnen Elise, 13 Jahre alt, aus einem begüterten Elternhaus. Sie glaubt in Aljoscha, einen der Brüder, die Liebe gefunden zu haben, die sie von ihren Eltern nicht bekommt... Sie ist bereit mit ihm nach Russland zu gehen...Doch sie ahnt nicht, dass die Brüder Kriminelle sind, die einen furchtbaren Plan ausgeheckt haben, dem nicht nur sie zum Opfer fallen soll...Welcher Zusammenhang zum Mord an dem russischen Anwalt dabei besteht und ob den beiden Kommissaren es gelingt, rechtzeitig den Täter zu finden, bevor es noch weitere Opfer gibt, erfährt der Leser in diesem spannenden Buch.
Ich kann diesen Thriller nur weiterempfehlen. Er hat mir spannende Lesestunden beschert. Ich freue mich schon auf weitere Bände dieser neuen Krimiserie.