Donnerstag, 19. August 2021

Rezension zu "Die Wahrheit über unsere Medikamente" von #DerApotheker

 

Inhalt

Wussten Sie, dass Ibuprofen tödlich sein kann, wenn Sie gleichzeitig ASS100 einnehmen? Haben Sie schon mal gehört, dass Johanniskraut die Wirkung der Anti-Baby-Pille reduziert? Und dass in pflanzlichen Arzneimitteln mehr Chemie steckt als in synthetischen? Viele Menschen kennen oft nicht die wichtigsten Fakten über die Tabletten, Sprays und Tropfen, die sie regelmäßig einnehmen. Dieses Buch klärt auf, wie die Bestseller aus der Apotheke wirken, was Sie bei der Einnahme beachten müssen und welche Mittel rausgeschmissenes Geld sind. 

Autor

#DerApotheker schreibt unter einem Pseudonym, denn er spricht immer Klartext und das mögen nicht alle. Er hat Pharmazie studiert und arbeitet seit etwa zehn Jahren als approbierter Apotheker. Der Autor bloggt unter https://publikum.net/author/derapotheker/. Außerdem verfasst er medizinische Artikel für DocCheck.com und ist als @ApothekerDer auf Twitter und Instagram aktiv.

Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe Life; 5. Aufl. 2021 Edition (30. April 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Taschenbuch ‏ : ‎ 320 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3404060059 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3404060054

 Meine Einschätzung

Da ich leider durch chronische Erkrankungen täglich Medikamente nehmen muss, war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Ich habe #Den Apotheker schon auf Instagram entdeckt und mir gefallen seine täglichen Anmerkungen über teils lustige Begebenheiten in seiner Apotheke, seine Fachkompetenz und sachlichen Hinweise zum Umgang mit Medikamenten. Natürlich spielt zur Zeit auch die Auseinandersetzung mit Corona eine wichtige Rolle.

Das Buch enthält viele Hinweise, was man im Umgang mit Medikamenten beachten muss, kritisiert dabei auch falsche Vorstellungen zur Wirksamkeit zB. der Homöopathie oder Unwissenheit seiner Kunden, die ihm als Apotheker nicht vertrauen wollen. Alles ist in unterhaltender Form aufgeschrieben. Das Gelesene regt zum Nachdenken an und die Schilderungen persönlicher Erfahrungen des Apothekers mit Kunden haben so manches Schmunzeln bei mir geweckt und lockern das Geschriebene unterhaltsam auf.

Sehr interessant fand ich auch das Kapitel, indem beschrieben ist, wie sorgsam jedes Rezept geprüft wird, damit der Patient kein falsches Medikament erhält.

Auch die Beschreibung der Wirksamkeit solcher gängigen Mittel, wie die Pille, Ibuprofen, Antibiotika ist sehr verständlich geschildert und man kann nun jederzeit nachlesen, durch was die Wirksamkeit beeinträchtigt wird, um es so bei der Einnahme zu verhindern.

In der heutigen Coronakrise ist das Desinfizieren der Hände besonders wichtig. Warum dies beserfür die Haut ist, als sie zu waschen, erfährt der Leser in diesem Buch.

Einige Kapitel gehen auch auf die Hautpflege vor dem Sonnenbaden ein, was man beim Abstezen von Medikamenten beachten muss, wie man länger jung aussieht, wie man Pfunde verliert und kein Geld, warum man keine Multivitamine einnehmen sollte ua.

Vom Apotheker werden Mythen über Medikamente aufgedeckt und besonders die Gefahr der wahllosen Einnahme von homöopatischen Mitteln gegen teils schwere Erkrankungen hervorgehoben. Auch warum die anthroposophische Medizin nur Geldverchwendung ist ( habe ich übrigends selbst erfahren müssen...) wird hier eindeutig augezeigt.

Es gibt ua.Tipps was gut bei Erkältung, Husten und juckender Haut helfen kann. 

Am Ende findet man eine Liste der im Buch behandelten Arzneimittel.

Ich kann nur sagen, dieses Buch ist ein kleiner Schatz und sollte in keinem Bücherregal fehlen, am besten noch gleich neben dem Arzneimittelschränkchen hinstellen.

 

Rezension zu "Die Selbstgerechten" von Sahra Wagenknecht

 

Inhalt

Urban, divers, kosmopolitisch, individualistisch – links ist für viele heute vor allem eine Lifestylefrage. Politische Konzepte für sozialen Zusammenhalt bleiben auf der Strecke, genauso wie schlecht verdienende Frauen, arme Zuwandererkinder, ausgebeutete Leiharbeiter und große Teile der Mittelschicht. Ob in den USA oder Europa: Wer sich auf Gendersternchen konzentriert statt auf Chancengerechtigkeit und dabei Kultur und Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerungsmehrheit vernachlässigt, arbeitet der politischen Rechten in die Hände. Sahra Wagenknecht zeichnet in ihrem Buch eine Alternative zu einem Linksliberalismus, der sich progressiv wähnt, aber die Gesellschaft weiter spaltet, weil er sich nur für das eigene Milieu interessiert und Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft ignoriert. Sie entwickelt ein Programm, mit dem linke Politik wieder mehrheitsfähig werden kann. Gemeinsam statt egoistisch.

Autorin

Sahra Wagenknecht ist promovierte Volkswirtin, Publizistin und Politikerin, Mitglied des Bundestages für die Partei Die Linke, für die sie auch im Europäischen Parlament saß. Von 2010 bis 2014 war sie Stellvertretende Parteivorsitzende, von 2015 bis 2019 Vorsitzende der Linksfraktion.

Bei Camus sind ihre Dissertation The Limits of Choice und ihre Bücher Freiheit statt Kapitalismus (2012) und Reichtum ohne Gier (2016/18) erschienen.


Herausgeber ‏ : ‎ Campus Verlag (14. April 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 345 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3593513900 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3593513904

Meine Einschätzung

Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, da ich Sahra Wagenknecht mit ihrer Sicht auf die politische Lage in Deutschland sehr schätze. Der Untertitel des Buches "Mein Gegenprogramm - für Gemeinsinn und Zusammenhalt" klingt sehr interessant. In unserer Gesellschaft, in der nach wie vor der Ellbogen regiert und die Schwächeren keine Möglichkeit bekommen, sich ein zufriedenes und glückliches Leben aufzubauen, wird es Zeit zu einem Programm, bei dem jeder die gleichen Chancen im Leben bekommt. Doch leider scheint in unserer Konsumgesellschaft, in der nach wie vor das Geld regiert, kaum eine Möglichkeit zu sein, so ein Programm auf den Weg zu bringen. Selbst die Linkspartei kritisiert Sahra Wagenknecht für ihre Ideen.

Im ersten Teil ihres Buches geht sie unter anderem auf die historischen Ziele der linken Arbeiterparteien ein, die Menschen vor Armut, Demütigung und Ausbeutung schüzen wollten. Heute gibt es diese traditionelle linke Bewegung für sie hauptsächlich in den Gewerkschaften, besonders dort in den unteren Ebenen. Man findet jetzt man in der Politik, statt der traditionellen Linken, die Lifestyle Linken. Diese haben in ihrer Politik nicht mehr die Lösung sozialer und politökonomischer Fragen, sondern  als Hauptinhalt stehen Fragen des Lebensstils, der Konsumgewohnheiten und moralische Haltungsnoten. Offen deckt Wagenknecht dabei die Gründe dieser Entwicklung auf. 

Auch werden von ihr die Zusammenhänge der Entstehung der Coronaleugner mit der jetzigen Politik während der Pandemie aufgedeckt, sowie die Entwicklung der Nazibewegung und ihre Auswirkungen auf Proteste, an denen sich junge Menschen, Rentner, Arbeitslose, Alleinerziehende beteiligen, da sie sich von der rechten Szene oftmals verstanden fühlen.

 Sahra Wagenknecht zeigt auch die Gründe der Wahlverdrossenheit der Menschen auf, die sich nicht mehr durch Wahlversprechen täuschen lassen und sich leider auch immer mehr von der Linkspartei abwenden, da diese ihre Probleme zB. in der ungerechten Arbeitswelt, in der Reiche immer reicher werden und Arme immer ärmer, nicht mit Nachdruck vertreten.

Im 3. Kapitel des Buches, in dem es um Solidarität, Triumph und Demütigung geht, wird die Geschichte des Arbeiterklasse beleuchtet. Hier erfährt der Leser, wie der Lohnarbeiter um seine erkämpften Rechte gebracht wurde und das am Beispiel der Siebziger Jahre bis heute.

Auch wer durch die Zuwanderung von Migranten, ob Flüchtling oder Zuwanderer gewinnt, wird in einem Kapitel sehr gut dargestellt. Sie werden als billige Arbeitskräfte und Lohndrücker missbraucht, die akademischen Ressourcen (Ärzte, Alten- und Krankenpfleger, Ingenieure) der Herkunftsländer werden damit ausgebeutet und das ganze wird noch als Wohltat verkauft.                                               

In ihrem Programmvorschlag zeigt die Autorin nachvollziehbar auf, wie die von ihr geforderten wirtschaftlichen Veränderungen, die eine Verbesserung der Lebenssituation breiter Bevölkerungsschichten bedeuten würde, finanziert werden könnten. Anhand der Funktionsweise von Zentralbanken macht sie deutlich, wie wichtig die Forderung ist, dass sich die Bank in den Dienst einer sozialen Wirtschaftspolitik stellen muss. 

Sie tritt für eine bessere linke Agrarpolitik ein, indem sie konkret an Beispielen aufzeigt, wie die Bauern unter der heutigen niedrigen Gewinnspanne nur verlieren können. 

Weiterhin wirbt sie für Leistungseigentum für eine innovative Wirtschaft, dem sie ein weiteres Kapitel widmet. Darin greift sie ua die Globalisierung der letzten Jahre an, die kein Motor für Wohlstand war, sondern die Ungleichheit gefördert hat. Verbunden ist dies mit dem wachsenden Reichtum einer Minderheit und Zerstörung von Arbeitsplätzen, Verschlechterung der Lebensverhältnisse des größten Teils der Menschen.

Zusammenfassend kann ich einschätzen, dass dieses Buch versucht Fehler der linksgerichteten Parteien zu analysieren, den Neoliberalismus zu entlarven und neue Schwerpunkte zur Lösung anstehender Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Armut, ungerechte Bezahlung aufzuzeigen.

Interessant für jeden Menschen, der offen ist für einen sozialeren Staat, gegen Neoliberalismus.

Ich wünsche dem Buch viele interessierte Leser.

Mittwoch, 11. August 2021

Rezension zu "Rosa-weiße Marshmallows" von Bettina Ehrsam


 Inhalt

Nach einem traumatischen Erlebnis hofft Lisa, auf einer Farm in Wisconsin wieder auf die Beine zu kommen. Ihre Heilung beginnt am Lagerfeuer mit dem Schamanen BigWam. Eines Tages ist sie verschwunden. Ist sie tot oder lebt sie noch? Wird ihre Schwester Caroline sie finden und das Rätsel lösen?

Autorin

Bettina Ehrsam geboren 1966 in Bern, Schweiz ist mit einer Zwillingsschwester und einem jüngeren Bruder, im Spiegel bei Bern aufgewachsen. Sie absol-vierte die Handelsschule in Neuchâtel und hatte verschiedene Jobs als Bankmitarbeiterin, Anwaltssekretä-rin, Flugbegleiterin bei Swissair. Sie ließ sich zur Craniosacral Therapeu-tin ausbilden, bevor sie die Liebe zum Schreiben entdeckte. Sie hat zwei erwachsene Kinder und lebt heute mit ihrem Mann am Zugersee.  

 
 
Herausgeber ‏ : ‎ Feiyr; Erste Auflage 2021 (11. Februar 2021) 
Sprache ‏ : ‎ Deutsch  
Taschenbuch ‏ : ‎ 616 Seiten  
ISBN-10 ‏ : ‎ 3985227497 
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985227495


 Meine Einschätzung

Eigentlich hatte ich mich sehr auf diesen ersten Roman von Bettina Ehrsam gefreut. Ich erwartete Spannung, Schwesternliebe, Familiengeheimnisse...Doch leider war von Spannung besonders im ersten Teil des Buches nicht viel zu spüren....

Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Lisa und ihre jüngere Schwester Caroline, die eine Übermutter haben, welche ihre Töchter immer kontrollieren möchte und Druck auf sie ausübt.

Im ersten Teil geht es um Lisa, die nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr leben möchte und nach ihrem misslungenen Selbstmordversuch versucht wieder am Leben teilhaben zu können. Nach mehreren Wochen in einer Psychiatrie, überredet ihre Freundin Maude sie auf einer Farm in Wisconsin bei der Familie des großen Bruders von Maude sich ein neues Leben aufzubauen. Doch was am Anfang eine gute Idee schien, wurde für Lisa eine große Herausforderung...Sie fand nur schwer Kontakt zu der neuen Familie, war das Landleben garnicht gewohnt und musste lernen sich im neuen Alltag zurecht zu finden. BigWam, in dessen Adern Indianerblut fliesst, versteht es in die Seele von Lisa zu blicken. Ihre gemeinsamen abendlichen Treffen am Lagerfeuer helfen Lisa bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit und sich besser ins Leben auf der Farm zu integrieren....Doch eines Tages ist BigWam verschwunden...Als nach einiger Zeit seine Leiche gefunden wird, scheint das Gute, das Lisa gemeint hat gefunden zu haben, aus ihrem Leben wieder verschwunden zu sein....

Diese erste Geschichte im Buch ist sehr bildhaft geschrieben...Es werden viele Andeutungen zu Lisas Vergangenheit, aber auch zu Handlungen der Bewohner der Farm gemacht....Es ist schwer für den Leser hier den roten Faden zu behalten...Außerdem ist die Schreibweise oft zu langweilig....Beim Lesen kommt es einem vor, als wenn man ein Textbuch zu einem Film oder Theaterstück in den Händen hält...Vieles was beschrieben ist, ist einfach unnötig und es gibt auch oft Wiederholungen in der wörtlichen Rede...Leider nimmt dadurch die Spannung der eigentlich guten Geschichte sehr ab.

Der 2. Teil der Geschichte spielt 10 Jahre nach dem Aufenthalt Lisas auf der Farm...Lisa ist verschwunden und ihre jüngere Schwester sucht nach Spuren von ihr. Sie war zu klein, um die Zusammenhänge zu verstehen, warum Lisa in der Psychiatrie war und dann auf die Farm gezogen ist. Dabei bekommt sie Hilfe von Rocco, einem ehemaligen Freund von Lisa. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise und trotz aller Versuche von der Mutter von Lisa und Caroline sie aufzuhalten, verfolgen sie ihr Ziel, Lisas Verschwinden aufzuklären.

Dieser zweite Teil hat mir von der Schreibweise etwas besser gefallen. Aber insgesamt muss ich einschätzen, dass in diese Geschichte viel zu viel hineingelegt wurde. Mir hätte das Buch mit gestraffter nachvollziehbarer Handlung mehr Freude am Lesen gegeben.


Rezension zu " Glückskinder" von Teresa Simon

 

Inhalt 

München 1945. Auf dem Schwarzmarkt in der Möhlstraße treffen sich alle, die nach Glück und ein wenig Leben suchen. Nylons, Kaffee, Schokolade und Schmuck wechseln hier die Besitzer. Auch Toni, die ihr Zuhause verloren hat und nun bei ihrer Tante Vev wohnt, versucht, auf dem Schwarzmarkt das Nötigste für die Familie zu organisieren. Als sie die Holländerin Griet kennenlernt, spürt Toni zunächst eine tiefe Abneigung. Sie ahnt nicht, dass Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, über die sie nie wieder sprechen möchte. Sie könnten einander helfen. Doch das geht nur, wenn sie ehrlich zueinander sind und ihre Vorurteile überwinden ...

 

Autorin


Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Autorin Brigitte Riebe. Sie ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale und lässt sich immer wieder von historischen Ereignissen und stimmungsvollen Schauplätzen inspirieren. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin ist bekannt für ihre intensiv recherchierten und spannenden Romane, die tiefe Emotionen wecken. Ihre Romane - Die Frauen der Rosenvilla, Die Holunderschwestern und Die Oleanderfrauen wurden alle zu Bestsellern. 

  

Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (8. Februar 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Taschenbuch ‏ : ‎ 512 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3453424069 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453424067

 

Meine Einschätzung 

 Brigitte Riebe, die dieses Buch unter ihrem Pseudonym veröffentlich hat, gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Besonders ihre Romane mit historischem Hintergrund gefallen mir sehr gut, da sie sehr gut recherchiert sind und durch ihre lebendige Schreibweise dem Leser das Leben in der jeweiligen Zeitepoche bildhaft nachempfinden lassen.

Deshalb war ich schon sehr gespannt auf dieses Buch und wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte spielt am Anfang in den letzten Kriegsmonaten 1945 und dann in den Nachkriegsjahren bis 1948. Die Hauptheldinnen sind die Münchnerin Antonia Brandl, genannt Toni und die Holländerin Griet van Mook. Beide haben unterschiedliche Lebenswege, aber das Schicksal führt sie in München nach dem Krieg zusammen. Im Prolog erfährt man, dass eine junge jüdische Frau, Merel, 1942 in den Niederlanden von einer Holländerin versteckt wird um so der Deportation zu entkommen...Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr. Die Holländerin wird ermordet und Merel nimmt ihren Namen an...Im nächsten Kapitel ist sie in einem KZ ...Die Amerikaner sind schon weit nach Deutschland gekommen und die Hoffnung auf baldige Befreiung gibt den Frauen Kraft im Überlebenskampf. Es ist sehr bewegend vom Schicksal der Frauen zu lesen und man spürt die Kraft der Freundschaft, die mithilft die grausamen Schikanen der SS im KZ und auf dem Todesmarsch zu überleben.

Die andere Geschichte im Roman ist die von Toni, die im Krieg ihr Zuhause verloren hat und bei ihrer Tante wohnt, beengt mit vielen Familienmitgliedern. Sie alle haben den Krieg überlebt. Wie soll es nun im Nachkriegsmünchen weitergehen. Die Lebensmittelrationen sind so klein, dass man schon gute Einfälle braucht, um nicht zu verhungern. Auf dem Schwarzen Markt lässt sich einiges tauschen, um die hungrigen Mägen zu füllen. Auch wenn alle Familienmitglieder die junge Holländerin am Anfang ablehnen, die durch ihren amerikanischen Freund bei ihnen einquartiert wird und ein Zimmer für sich alleine bekommt, entsteht doch bald besonders zwischen Toni und ihr eine Freundschaft, die für alle den Alltag etwas schöner macht.

Zu den Glückskindern im Buch Griet und Toni kommen noch Leni, Louis, Dan, Max und Benno dazu. Die 7 jungen Menschen verbindet das Schicksal, den Krieg überlebt zu haben. Sie erleben ihre oftmals erste Liebe, müssen sich vor Verbrechern hüten, die die Wirren der Nachkriegszeit für ihre Geschäfte ausnutzen, spüren, wie stark Freundschaft sein kann, um zu überleben und erleben gemeinsam, wie langsam alles wieder besser wird in einem Deutschland ohne Nazis.

Am Ende des Buches stehen Originalrezepte aus dem Jahre 1946, die zeigen, wie mit einfachen wenigen Lebensmitteln versucht wurde, eine sättigende Mahlzeit zuzubereiten.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und es gibt Denkanstöße für die Menschen, die in der heutigen Situation mit Lockdown und Corona rumjammern. Der Roman ist ein Denkmal für alle Menschen, die in der damaligen Zeit gelebt haben und nicht aufgegeben haben, ein besseres Leben aufzubauen, trotz aller widrigen Umstände, die der 2. Weltkrieg den Menschen gebracht hat. Es ist gleichzeitig eine Mahnung, Faschismus und Krieg nie wieder zuzulassen.

Montag, 12. Juli 2021

Rezension zu "Der Verdacht" von Ashley Audrain

 

Inhalt

Violet ist ein Wunschkind, und Blythe möchte die liebevolle Mutter sein, die ihr selbst so sehr fehlte. Doch als man ihr das Neugeborene in den Arm legt, fühlt sich alles falsch an. Da ist nur Ablehnung, und je älter das Mädchen wird, desto mehr wächst die Angst vor Violet und ihrem feindseligen Verhalten, das sich Blythe nicht erklären kann. Alles nur Einbildung? Oder ist das Mädchen tatsächlich absichtsvoll böse? Fox, der seine Tochter von ganzem Herzen liebt, beobachtet seine Frau mit wachsendem Misstrauen. Bis eines Tages das größtmögliche Unglück über die Familie hereinbricht – und Blythe sich ihrer Wahrheit stellen muss.

Wenn man sein Kind bedingungslos lieben möchte, aber die Angst das überwältigendere Gefühl ist. »Der Verdacht« erzählt von schicksalhaften Familienbanden, von Obsession und der Zerbrechlichkeit von Glück – ein zutiefst aufwühlender Roman von großer Sogkraft, erschütternder Klarheit und stilistischer Brillanz.

 

Autorin 

Ashley Audrain wuchs außerhalb von Toronto auf, studierte Medienwissenschaften und arbeitete viele Jahre im Bereich Public Relations unter anderem im Verlagswesen. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer Familie in Toronto. Ihr Debütroman »Der Verdacht« begeisterte Lektorinnen und Lektoren in aller Welt; lange vor Erscheinen verkauften sich die Übersetzungsrechte in über 30 Länder.

 

Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (29. März 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3328601449 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328601449 

Originaltitel ‏ : ‎ The Push

 

Meine Einschätzung 

Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Handlung wird gefüllt durch die Geschichte dreier Generationen, Oma, Mutter und der Hauptheldin, Blythe. Die Rückblenden sind wichtig, damit der Leser die Handlungen von Blythe als junge Mutter besser versteht. Sie selber hatte eine schwierige Kindheit, die bestimmt war von einer Mutter, die nervenkrank war und teils unvorstellbare Handlungen an ihrer Tochter verübt hat. Doch diese schwierige Mutter-Tochter - Beziehung hatte als Hintergrund die Erfahrungen, die die Mutter in ihrem Leben durch ihre Mutter, der Oma von Blythe machen musste. Blythe wurde mit 11 Jahren von ihrer Mutter verlassen und wuchs bei ihrem Vater auf, bei dem sie schon immer Schutz gesucht hatte. Natürlich wollte Blythe, die sich auf ihr erstes Kind , eine Tochter, sehr freute, alles anders und besser machen. Doch schnell war sie überfordert, denn ihr Baby war ein sogenanntes Schreikind, das sich selten beruhigen ließ. Schonungslos schildert die Autorin sehr bildhaft die Schwierigkeiten, die für den Alltag einer jungen Mutter entstehen. Allein gelassen mit all den Problemen, sucht sie immer die Schuld bei sich selbst und obwohl ihr Mann ein liebevoller Vater ist, bleibt die meiste Last an ihr hängen. In der Schreibweise werden die Erlebnisse von Blythe so dargestellt, als wenn sie sich mit ihrem Mann darüber unterhält....Aber sie will ihn mit den auftauchenden Problemen so wenig wie möglich belasten und spielt ihm bis zur Aufopferung eine heile Welt vor. Sie geht aber fast zugrunde an dem Gefühl, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. Aber als es dann zu einem schweren Vorfall kommt, versucht sie die Realität auszublenden, anstatt sich ihr zu stellen.

Richtiges Mutterglück erlebt Blythe mit der Geburt ihres kleinen Sohnes und auch die Beziehung zu ihrer Tochter scheint sich zum Guten zu wenden. Doch der Schein trügt. Das größte Unglück, das einer Mutter und Vater passieren kann, geschieht und wie es aussieht, trägt die Tochter die Schuld daran.

Die Ehe zerbricht und als Blythe erfährt, dass die neue Frau ihres Ex auch einen kleinen Sohn bekommen hat, versucht sie diese vor ihrer Tochter zu warnen. Wird es ihr gelingen, den kleinen Jungen zu retten? Und ist ihr Verdacht wirklich richtig oder spielen nur ihre Nerven verrückt?

Ich habe das Buch in wenigen Tagen gelesen und konnte mich kaum von ihm trennen. Die düstere Stimmung zieht sich durch das ganze Buch und wird nur kurz durch fröhliche Erlebnisse besonders mit dem 2. Kind von Blythe etwas verändert. Man hofft in diesen Abschnitten immer noch, das alles ein glückliches Ende nehmen könnte.

Der Roman lässt mich sehr nachdenklich zurück. Er regt den Leser an, darüber nachzudenken, wie die Erwartungen an eine Mutterschaft sind, welche Rolle die Mutter im Leben eines Kindes einnimmt und wie ihre Verantwortung gegenüber einem Kind aussieht, aber auch wie eine Mutter in schwierigen Situationen unterstützt werden muss, nicht nur von ihrem Ehemann, sondern auch von der Gesellschaft.

Ein Buch, das mich sehr begeistert hat. 

Beenden möchte ich meine Rezension mit folgendem Satz aus dem Roman:

" Das Herz einer Mutter bricht im Laufe ihres Lebens auf millionenfache Art. "

 

 

 

Sonntag, 4. Juli 2021

Rezension zu "Die Telefonzelle am Ende der Welt" von Laura Imai Messina

 

Inhalt

Der internationale Bestseller ∞ Inspiriert von einer wahren Geschichte

Eine Tagesfahrt von Tokio entfernt steht in einem Garten am Meer einsam eine Telefonzelle. Nimmt man den Hörer ab, kann man dem Wind lauschen – und den Stimmen der Vergangenheit. Viele Menschen reisen zu dem Telefon des Windes, um mit ihren verstorbenen Angehörigen zu sprechen und um ihnen die Dinge zu sagen, die zu Lebzeiten unausgesprochen blieben. So kommt eines Tages auch Radiomoderatorin Yui an den magischen Ort. Im Tsunami von 2011 verlor sie ihre Mutter und ihre kleine Tochter. Yui lernt in dem Garten den Arzt Takeshi kennen, auch er muss ein Trauma verarbeiten. Die beiden nähern sich an, gemeinsam schöpfen sie neuen Mut. Und erlauben sich zum ersten Mal, dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen. Ganz gleich, was es für sie vorgesehen hat ...


Autorin

Laura Imai Messina wurde in Rom geboren. Mit dreiundzwanzig Jahren zog sie nach Japan. Ihr Studium an der University of Foreign Studies schloss sie mit dem Doktortitel ab, mittlerweile arbeitet sie als Dozentin an verschiedenen Universitäten. Laura Imai Messina lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Tokio. Ihr Roman „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ stand in Italien und Großbritannien wochenlang auf der Bestsellerliste und wurde in 25 Länder verkauft.


Herausgeber ‏ : ‎ btb Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (15. März 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 352 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3442758963 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442758968

 

Meine Einschätzung 

Es ist eine Geschichte über den Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen. Die Autorin erinnert mit ihrem Buch vor allem an die vielen Toten der Tsunami Katastrophe vom 11. März 2011 in Japan. Das Telefon des Windes gibt es wirklich und wird von dem japanischen Ehepaar Itaru betreut. Es soll den Hinterbliebenen Trost spenden und die Möglichkeit geben mit Ihnen in Kontakt zu treten, wenn auch nur gedanklich.

Die Hauptheldin des Buches ist die Radiomoderatorin Yui, die beim Tsunami von 2011 ihre Mutter und ihre kleine Tochter verloren hat. Als sie von der Telefonzelle hört, macht sie sich auf die 7stündige Autofahrt, um dort Trost zu finden. Doch sie braucht lange Zeit und viele Fahrten dorthin, bis sie den Telefonhörer in die Hand nehmen kann... Im Garten trifft sie Menschen, die wie sie liebe Angehörige verloren haben, nicht nur durch den Tsunami. Auch den Arzt Takeshi, der zusammen mit seiner kleinen Tochter lebt, die seit dem Tod ihrer Mutter verstummt ist. Die Menschen sprechen sich gegenseitig Trost und Mut zu und entstehen viele Freundschaften. Auch Takeshi und Yui kommen sich näher und seine kleine Tochter findet in Yui eine neue Mutter. Doch in Yui kommen Ängste hoch, als Takeshi sie fragt, ob sie zu ihm ziehen möchte.

Als die Telefonzelle durch ein erneutes Unwetter droht, zerstört zu werden, versucht Yui sie unter Einsatz ihres Lebens zu retten...  Ob es ihr gelingt und ob es für sie ein Happy End gibt, erfährt der Leser in diesem Buch.

Die Schreibweise der Autorin hat mir sehr gefallen. Man lernt viel über das Leben und die Bräuche der Menschen in Japan kennen. Die wunderbare Beschreibung der Landschaft und des Alltags der Menschen lässt einem tief in die Geschichte eintauchen. Man begreift die Sorgen, die Trauer und Ängste der Menschen und hofft mit ihnen auf eine Lösung ihrer Probleme. Die Geschichte zeigt die Kraft der Freundschaft und Liebe im Zusammenleben der Menschen, besonders bei schwierigen Situationen.

Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen. Es ist ein stilles Buch, das aber Kraft gibt, auch in sehr schweren Momenten einen Lichtstrahl der Hoffnung zu erkennen. 

Sonntag, 20. Juni 2021

Rezension zu " Caspers Weltformel" von Victoria Grader

 

Inhalt 

»Ich habe eine Formel. Hab‘ es zwar noch nicht nachgerechnet, aber eigentlich müsste es funktionieren. Ich mach‘ einfach immer das Gegenteil von dem, was ich sonst machen würde. Verstehst du?«

Der Physik-Doktorand Casper aus Berlin hat eine Formel entwickelt, mit der er soziale Interaktionen berechnen kann. Mit Hilfe der Formel kann er all das, was ihm widerfährt, vorherbestimmen. Seine Lebensfreude geht in der Gleichförmigkeit verloren - bis er die erstbeste Gelegenheit am Schopfe packt, um auszubrechen: Eine Reihe von Zufällen verschlägt Casper nach Budapest, wo er auf Ilona trifft. Im Bemühen, die Dinge und Menschen vorherzusehen, kommt Casper bei ihr an seine Grenzen. Mit ihrer verträumten Lebensweise ist sie so ganz das Gegenteil von ihm. Doch gerade die Unterschiede sind es, die beiden helfen, einen neuen Blick auf das Leben zu gewinnen. 

 Autorin 

 Victoria Grader (Jg. 1992) hat in München und Venedig Praktische Philosophie studiert. Sie promoviert im Bereich der Technikphilosophie und lehrt Ethik für Naturwissenschaftler. Die Autoren der Münchner Autorengruppe Prosathek sagen von ihr: »Victoria erzählt vom Surrealen im Sinnesmeer.« 

Herausgeber ‏ : ‎ Diederichs (26. April 2021) 

Sprache ‏ : ‎ Deutsch 

Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten 

ISBN-10 ‏ : ‎ 3424351032 

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3424351033

 Meine Einschätzung 

 Ein Roman, der mich als Leserin nachdenklich zurück lässt. Der Hauptheld Casper, ein junger Doktorand der Physik, führt ein normales Leben in Berlin...Arbeit, Freunde, ab und zu mal eine Freundin, Wochenende nach München zur Mutti, wieder Arbeit....Soll das wirklich alles gewesen sein. Er glaubt eine Formel entwickelt zu haben, mit der er alles, was ihm widerfährt, vorherbestimmen kann. Doch eine Komponente kommt bei der Formel viel zu kurz, Gefühle...Langsam wird ihm das Allerlei im Leben zu langweilig, Berlin ist auch nicht mehr so aufregend, wie am Anfang... Ein Zufall verhilft hm den Absprung zu wagen...Da er den Zug nach München verpasst, beschliesst er den nächsten Zug zu nehmen und landet in Budapest...Dort trifft er auf Ilona, eine junge Frau, die es nicht einfach im Leben hat und von ihrem Vermieter bedroht wird, auf die Straße gesetzt zu werden, da sie schon mehrere Monate keine Miete gezahlt hat...Sie ist eine Träumerin und das ganze Gegenteil von Casper...Doch sie kommen sich näher und hier beginnt eigentlich die richtige Geschichte, die man auch nennen könnte- von zwei, die auszogen das Glück zu finden. Doch das Leben ist kein Ponyhof und so schlittern sie in manche gefährliche Situationen...Welche Erkenntnisse Casper für sein Leben daraus zieht und ob es ein glückliches Ende findet, erfährt der Leser in diesem Buch.

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und man glaubt mitten dabei zu sein. Die Handlung zeigt durch die Überschriften der Buchkapitel, die Gefühle und Erlebnisse aus Sicht von Casper oder Ilona. So kann der Leser gut sich in die Charaktere der beiden einfühlen.

Es geht um Freundschaft, Liebe in der heutigen Welt, um das Abenteuer Leben und welche Entscheidungen man im Leben trifft, zu denen Mut, Wahrheit und auch viel Bauchgefühl gehört.

Das Buch regt zum Nachdenken über das eigene Leben an und ich kann es nur jedem weiterempfehlen.