Donnerstag, 9. November 2017

Rezension zu " Unterleuten" von Juli Zeh





Inhalt

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …


Autorin:


Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015).


Taschenbuch: 656 Seiten 
Verlag: btb Verlag (11. September 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3442715733 
ISBN-13: 978-3442715732
zu kaufen : http://amzn.to/2hnqIFM

Meine Einschätzung
 

Juli Zeh schafft es, mit ihrem Roman das große Ganze im Kleinen zu erzählen. Die Geschichte spielt im winzigen Dorf „Unterleuten“ in Brandenburg. Die Zahl der Dorfbewohner ist überschaubar, die Charaktere sind jedoch vielfältig: Von Ossi bis Wessi, von Akademiker bis Arbeiter, von jung bis alt. Es scheint beinahe so, als wenn der Leser in Unterleuten die Gesellschaft unter einem Brennglas sieht. Konflikte sind da vorprogrammiert. Und die gibt es im kleinen brandenburgischen Dorf genauso wie in Hamburg, München oder Berlin. Es geht um Landflucht, um Ehekrisen, DDR-Nostalgie, Geschlechterkonflikte. Und zu allem Übel soll dann auch noch ein Windpark gebaut werden. Mit dem Setzen des emotionalen Themas der Energiewende kippt die Autorin noch einmal Benzin ins Feuer. Die ohnehin schon bestehenden Konflikte der Dorfbewohner werden verstärkt und entladen sich. Ein interessantes gesellschaftspolitisches Schauspiel! Doch obwohl Juli Zeh versucht, die Themen der Zeit aufzunehmen und in ihrem Gesellschaftsroman zu bündeln, wirkt das Buch schon wenige Monate nach seiner Erscheinung im März 2016 komplett überholt. Das Thema Flucht und Migration spielt keine Rolle, ebenso wenig wie Fremdenfeindlichkeit. Juli Zehs Roman wird damit zum Opfer einer unglaublichen politischen Dynamik, die Politik und Gesellschaft im Jahr 2016 vermutlich selber überrascht hat. Damit wirkt „Unterleuten“ aus der Zeit gefallen. Schade, vermutlich hatte Juli Zeh selbst einen anderen Anspruch. 
Mein Leseexemplar von Randomhouse kurz nach Erscheinen im März 2016 habe ich als gebundene Ausgabe erhalten. Inzwischen ist im September ein Taschenbuch erschienen.
 

Sonntag, 29. Oktober 2017

Rezension zu "Marlenes Geheimnis" von Brigitte Riebe

Inhalt

Drei Frauen, drei Generationen und ein Geflecht aus Lügen

Marlene hat die Vertreibung aus der Heimat nach dem Krieg längst hinter sich gelassen. Vor mehr als siebzig Jahren begann sie mit ihrer Mutter Eva am Bodensee ein neues Leben. Eine florierende Schnapsbrennerei, die die Früchte der Region verarbeitet, ist ihr ganzer Stolz. Erst als ihre Nichte Nane kurz nach Evas Beerdigung die Aufzeichnungen der Großmutter liest, bricht die Vergangenheit ohne Vorwarnung herein. Und ein lang gehütetes Geheimnis kommt zutage …


Autorin:

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und arbeitete zunächst als Verlagslektorin. Sie hat mit großem Erfolg zahlreiche historische Romane veröffentlicht, in denen sie die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte wieder lebendig werden lässt. Mit „Marlenes Geheimnis“ widmet sie sich nun der Kriegs-und Nachkriegszeit um 1945. Auch die Familie der Autorin mütterlicherseits stammt aus Nordböhmen, wo sie wie viele Sudetendeutsche nach dem Ende des Dritten Reichs das Schicksal von Vertreibung und Flucht erlitt. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München. 


Gebundene Ausgabe: 432 Seiten 
Verlag: Diana Verlag (11. September 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3453292057 
ISBN-13: 978-3453292055
zu kaufen: http://amzn.to/2xyFY59

Meine Einschätzung

Der Roman beschreibt die Geschichte dreier Generationen, Eva,  Marlene, Marlenes Halbschwester Vicky und deren Tochter Nane. Es handelt vom Leben von Eva mit ihren Eltern im Sudetenland, der Verteibung der Deutschen nach dem Krieg, das Leben als Flüchtling und endlich angekommen in der neuen Heimat am Bodensee. Es handelt von Liebe über alle gesellschaftliche Schranken hinaus, von der Unmenschlichkeit und Elend des Krieges, von der Kraft der Menschlichkeit in dieser schrecklichen Zeit, die Stärke von Freundschaft, aber auch von Hass und Lügen, die ein Leben begleitet haben....
Mich hat der Roman von Anfang an gefesselt. Da Brigittes Riebes historische Romane mir besonders gefallen, war ich schon sehr gespannt auf dieses Buch und ich wurde nicht enttäuscht. In ihrer besonderen Schreibweise, gelingt es ihr immer wieder den Leser mit auf eine Reise zu nehmen. Man sieht die Geschehnisse direkt beim Lesen vor sich. Taucht ein in eine Welt, die nie vergessen werden darf. Man erlebt zu welcher Stärke die handelnden Frauen in einer Welt voll Entsetzen, Mord, Hunger und Zerstörung heranwachsen. Eva, die im Krieg die Liebe ihres Lebens erlebt, aber auch ihre liebsten Menschen verliert, hat immer wieder die Kraft für andere Menschen, besonders für die kleine Marlene da zu sein. Man bangt mit ihr und hofft doch noch auf ein gutes Ende.
Ihre Enkelin Nane liest nach dem Tode ihrer Oma deren Aufzeichnungen und so manches Geheimnis wird dadurch aufgedeckt. Gleichzeitig hilft sie ihrer Tante Marlene bei der Apfelernte am Bodensee und durch die wunderbare Beschreibung , fühlt man sich als Leser in die wunderschöne Landschaft am Bodensee versetzt. Aber auch Nanes Mutter hat ein Geheimnis, das sie nun erst nach dem Tod der eigenen Mutter aufdecken wird...Die Geschichte lebt von Spannung, gefühlvollen, aber auch schrecklichen Momenten. Ich selbst habe viel Neues vom Leben der Sudetendeuschen und der politischen Hintergründe ihrer Vertreibung erfahren. Da meine Mutti auch als Flüchtlingskind mit meiner Oma, Uroma und ihrem kleinen damals 5 Monate alten Bruder aus Ostpreußen in die brandenburgische Stadt kam, die im Buch beschrieben ist, habe ich mich nach dem Lesen des Buches mit ihr lange darüber unterhalten.Sie erzählte mir, dass ihre Familie Glück hatte und gleich von lieben Menschen in ihrem Haus aufgenommen wurde. Auch von Soldaten der Roten Armee hat sie als Kind oft Grütze bekommen. Es gab also auch viel Menschliches nach dem Grauen des Krieges. Gerade heute ist dieses Buch sehr aktuell. Man sollte sich mehr in die Menschen reinversetzen, die ihre Heimat heutzutage wegen Krieg und Hunger verlassen müssen und sie nicht von vornherein ablehnen.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Diese Zeit darf nicht vergessen werden.
Danke an Brigitte Riebe für spannende, berührende und historisches Wissen vermittelnde Lesestunden.

Rezension zu "Wie derWind und das Meer" von Lilli Beck

Inhalt

München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …


Autorin:
Lilli Beck wurde 1950 in Weiden/Oberpfalz geboren, wo sie auch aufwuchs und nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau absolvierte. Ende 1968 wechselt sie nach München. Nach zwei Wochen tippen bei einem Rechtsanwalt, wurde sie von einer Modelagentin (es gab noch keine Casting-Shows) in der damaligen In-Disco ,Blow up' entdeckt. Es folgten die ersten Fotos in Paris. Anschließend arbeitete sie u.a. für Zeitschriften wie BRIGTTE, landete wegen ihrer perfekten Beine auf Strumpfpackungen und Plakaten, war die Pirelli-Kühlerfigur der 70er Jahre und Covergirl auf der LP "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" von Marius Müller-Westernhagen. Zwischendurch absolvierte sie ein Schauspielstudium, war Cutterassistentin, (u.a. bei Wim Wenders' "Der amerikanische Freund"), und bekam erste TV- und Filmrollen. Durch die intensive Arbeit mit Texten begann sie, Kurzgeschichten zu verfassen. Nach der Geburt ihrer Tochter gab sie die Schauspielerei auf und wechselte hinter die Kamera als Visagistin. 2000 verließ sie die Welt des schönen Scheins, um nur noch zu schreiben. 2002 die ersten Veröffentlichungen von Kurzkrimis. 2008 der erste Roman: "Reich heiraten!", dem "Chili und Schokolade" und "Sie haben sich aber gut gehalten!" folgten. Unter dem Pseudonym Mira Becker hat sie den Roman: "Couchgeflüster" verfasst, und als Annette Bluhm den Weihnachtsroman "Die hässlichste Tanne der Welt". Des weiteren erschienen: "Liebe auf den letzten Blick, "Liebe verlernt man nicht" und "Geld oder Liebe." Im August 2015 "Glück und Glas" eine berührende Saga über 70 Jahre deutsche Geschichte und das bewegenden Schicksal zweier Freundinnen. 

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten 
Verlag: Blanvalet Verlag (18. September 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 376450577X 
ISBN-13: 978-3764505776
zu kaufen:  http://amzn.to/2zWEaVk

Meine Einschätzung

Diese Geschichte hat mich emotional sehr stark berührt. Durch die beeindruckende Erzählweise gelingt es der Autorin, den Leser von Anfang an, in die Geschichte hineinzuziehen. Ich mochte garnicht mehr das Buch aus der Hand legen. Die beiden Hauptgestalten habe ich sofort lieb gewonnen und mit ihnen gebangt und gehofft, gelacht und geweint...Ich stolperte mit ihnen über die Trümmerlandschaft der zerbombten Stadt München, ging mit ihnen auf Suche nach etwas Essbarem oder nach etwas, was man auf dem Schwarzen Markt tauschen konnte, verstand die Aggressivität der Erwachsenen kaum beim Plündern von Vorratslagern und ihrem Verhalten gegenüber den hungernden Kindern, denen sie dann noch das Essbare aus den Händen rissen. Der Krieg hatte viele Menschen zu Tieren gemacht...Doch zum Glück gab es auch welche, die ihre Menschlichkeit bewahrt hatten und ihr Letztes mit den Kindern teilten. So wie die Münchner Blumenfrau, die die Kinder mit zu sich nahm und ihnen Liebe und Wärme gab....bis die Mühlen der deutschen Bürokratie diese heile Welt für mehrere Jahre zerstört.
Der Roman ist in mehrere Zeitabschnitte gegliedert. So erleben wir die Nachkriegszeit, die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, weitere Etappen in der Geschichte der BRD bis 1990...
Das Leben von Paul und Sarah wird bestimmt durch die Angst, das ihre Lüge, das sie Geschwister sind, entdeckt wird und von ihrer aufflammenden Liebe, die für ihre Umwelt ein Geheimnis bleiben muss. Ihren Schwur " Wie der Wind und das Meer" immer füreinander da zu sein, ist im wahren Leben nicht immer leicht einzuhalten. Der Leser kann gespannt sein auf eine emotionale Achterbahn, auf berührende und spannende Lesestunden und auf die Beantwortung der beim Lesen aufkommenden Frage, ob die Liebe Paul und Sarah ein HappyEnd bescheren wird...
Dieser Roman ist gleichzeitig eine Mahnung unsere Kinder vor Krieg zu bewahren - denn sie sind unsere Zukunft. Danke an die Autorin für bewegende Lesestunden.


Dienstag, 10. Oktober 2017

Rezension zu "Das Haus der schönen Dinge" von Heidi Rehn





Inhalt

Der neue große Roman von Erfolgs-Autorin Heidi Rehn über Aufstieg und Fall einer jüdischen Münchner Warenhaus-Dynastie über 100 Jahre - opulent, dramatisch, emotional!
Als der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Zwar begegnet seine Frau Thea Jacobs Enthusiasmus mit einer gewissen Skepsis, doch der Erfolg des Kaufhauses belehrt sie eines Besseren.
Tochter Lily übernimmt das Kaufhaus am Münchner Rindermarkt in den goldenen 20ern und wähnt sich am Ziel aller Wünsche. Eine glückliche Zukunft scheint auf die Familie zu warten, doch als die Nazis die Macht ergreifen, müssen die Hirschvogls erleben, wie sich Bayern und München, das für sie stets Heimat war, plötzlich gegen sie wendet …


Autorin:


Heidi Rehn wurde 1966 in Koblenz/ Rhein geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Mittelrhein auf. Zum Studium der Germanistik, Geschichte, BWL und Kommunikationswissenschaften kam sie nach München. Nach dem Magisterexamen war sie zunächst als Dozentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig, anschließend war sie PR-Beraterin in einer Agentur. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie mitten in München.
2014 erhielt sie den "Goldenen Homer" für den besten historischen Beziehungs- und Gesellschaftsroman.
Nach ihren erfolgreichen historischen Romanen betrat sie mit ihren letzten Romanen DER SOMMER DER FREIHEIT, TANZ DES VERGESSENS und SPIEL DER HOFFNUNG inhaltliches Neuland. Die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland ist ihr ein besonderes Anliegen.

  
Taschenbuch: 656 Seiten 
Verlag: Knaur TB; Auflage: Originalausgabe (2. Mai 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3426519372 
ISBN-13: 978-3426519370
zu kaufen: http://amzn.to/2yCMVq5 

Meine Einschätzung

Die Autorin nimmt uns mit in die Gründungsjahre von Kaufhäusern. Wir begleiten die jüdische Familie Hirschvogel von 1897 bis 1952. Der Traum von Kaufmann Jacob Hirschvogel der 1897 zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, ist die Eröffnung eines Kaufhauses. Dieser Traum erfüllt sich in den sogenannten "Goldenen Jahren" in München. Das Kaufhaus wird zum begehrtesten Einkaufstempel in München und das bringt der Familie auch viele Neider. Besonders als Hitler an die Macht kommt und die Judenverfolgung in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht, wird es für die Familie Hirschvogel und viele Freunde gefährlich in München zu bleiben und das Kaufhaus weiter zu führen.
Im Roman erfährt der Leser viel über die damalige Zeit und am Beispiel von Frau Hirschvogel, ihrer Tochter und deren Freundinnen Interessantes über die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft.
Interessant für mich war auch zu lesen, wie die Mode der damaligen Zeit im Umbruch war, woher immer neue Ideen für die Entwicklung des Kaufhauses genommen wurden. Begeistert hat mich, welche Sozialleistungen die Familie Hirschaus für ihre Mitarbeiter eingeführt hat und wie stark dadurch die Bindung der Mitarbeiter an das Kaufhaus wurde. Die handelnden Personen wurden gut charakterisiert und als Leser hofft und bangt man mit ihnen. Die Autorin versteht auch gut die historischen Geschehnisse der damaligen Zeit in die Erzählung mit einzubinden. Im Klappentext ist ein Stammbaum der Hirschvogelfamilie angegeben. Es tauchen aber noch weitaus mehr Charaktere in der Geschichte auf und es war nicht immer ganz einfach, die ganzen Namen zuzuordnen. Auch ein kleiner Stadtplan von München zeigt bildlich einige Standorte der Handlung.
Ein Glossar am Ende des Buches ist hilfreich um Personen, Orte und Begriffe der damaligen Zeit besser zuordnen und verstehen zu können.
Das Kaufhaus, das im Buch zum Ort des Geschehens wird, hat nie existiert, aber es zeigt ein Beispiel, wie jüdische Kaufleute in der damaligen Zeit mit viel Umsicht die Versorgung der Bevölkerung in den deutschen Städten gesichert und organisiert haben. Um so unverständlicher ist es, welche Grausamkeiten gegen die jüdische Bevölkerung besonders während der Naziherrschaft geschahen. Der Roman ist für uns Mahnung, das es nie wieder Faschimus geben darf und die Verbrechen der Nazis an den Juden nie vergessen werden dürfen.




Montag, 14. August 2017

Rezension zu "Bis wieder ein Tag erwacht" von Charlotte Link





Inhalt: 


Der große Résistance-Roman der Bestseller-Autorin und eine dramatische Liebesgeschichte aus dem besetzten Frankreich von Charlotte Roth.
Ein Roman über die Kraft der Liebe, den Kampf für die Freiheit und den Mut zum Leben.
Ein verwunschenes Küstendorf in der Provence in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts: Über alle Klassenunterschiede hinweg wachsen fünf Kinder miteinander auf: Nathalie, die Bürgerstochter, Fabrice und Didier, die Brüder vom Schloss, und das Mauerblümchen Delphine sowie Nathalies algerischer Diener Salah. Doch auf dem Weg zum Erwachsenwerden zerbricht ihre kleine geborgene Welt: Nathalie ist in Didier verliebt, dieser aber bringt den Mut nicht auf, um sie zu kämpfen. Als die enttäuschte Nathalie nach Paris flieht, stürzt sie sich in einen Tanz auf dem Vulkan und begegnet dem Deutschen Alwin, der zum ersten Mal erahnt, wie die Freiheit schmeckt.
Doch das zaghafte Glück und alle Hoffnung finden ein jähes Ende, als Frankreich über Nacht im Krieg steht. Der zweite Weltkrieg beginnt, und aus Freunden werden Feinde, auf Seiten von Résistance und Besatzungsmacht stehen sich die, die sich gestern noch liebten, auf Leben und Tod gegenüber. Plötzlich müssen die jungen Leute Entscheidungen treffen - nicht mehr nur über ihr eigenes Schicksal, sondern über die Zukunft ihres Landes und sogar der halben Welt.

Autorin:

Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freiberuflich als Autorin tätig. Mit ihrem Roman "Als wir unsterblich waren", der auf einem Stück ihrer eigenen Familiengeschichte basiert, erfülllte sie sich einen langgehegten Traum, und der Roman wurde zum Bestseller.. Charlotte Roth hat Globetrotter-Blut und zieht mit Mann und Kindern durch Europa, hält an ihrem Koffer in Berlin aber unverbrüchlich fest.   

Taschenbuch: 704 Seiten 
Verlag: Knaur TB (3. Juli 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3426518406
ISBN-13: 978-3426518403
zu kaufen:  http://amzn.to/2wXthAa

Mein Eindruck: 
Voller großer Erwartungen hielt ich endlich das neue Buch einer meiner Lieblingsschrifstellerinnen in den Händen und ich wurde beim Lesen nicht enttäuscht. Mit ihrer Schreibweise gelingt es Charlotte Roth wieder einmal ihre Romanhelden lebendig werden zu lassen und den Leser hineinzuziehen in die Handlung - in einen Strudel voller ergreifender Erlebnisse, in eine Welt der sogenannten Kriegskinder, die in ihrer Kindheit den Ersten Weltkrieg und in ihrem weiteren Leben auch noch das Grauen des 2. Weltkrieges erleben mussten.
Beginnend 1918 in einem verschlafenen Dorf der Provence - die Kinder unterschiedlicher gesellschaftlicher Zugehörigkeit sind verbunden durch ein Freundschaftsband und ein Spiel, das sie immer im Sommer, wenn Schulferien sind gemeinsam spielen : Die lebenslustige Nathalie, deren Mutter Deutsche ist und die heimlich in einen der drei Brüder vom Schloss verliebt ist, von denen aber einer nicht aus dem Ersten Weltkrieg wiederkommt, Didier und Fabrice, die beiden sehr unterschiedlichen Brüder vom Schloss, Delphine, ein wohlhabendes Mädchen und Salah, ein algerischer Junge, den Nathalie von ihrem Vater geschenkt bekommen hat und der ihr nie von der Seite weicht und sein Leben lang auf sie aufpassen will...
Ein anderer Erzählstrang macht den Leser mit Alwin von Sterzing und seiner Schwester Dörte in Deutschland bekannt. Nach dem Tod seines Vaters ist Alwin das Familienoberhaupt und fühlt sich für seine Mutter und seine an Depressionen leidende Schwester voll verantworlich. Er leidet sehr unter dem verlorenen Ersten Weltkrieg und ganz besonders schwer fällt es ihm sich mit der Familie in Berlin einzuleben, denn ihr Gutshaus müssen sie verlassen... Er hängt sehr an seiner Schwester und versucht ihr das Leben zu erleichtern. Dörte freundet sich mit Rieke an, ein Mädchen aus einer kommunistischen Familie, deren Mut gegen den aufkommenden Faschismus in Deutschland zu kämpfen, sie in Lebensgefahr bringt.
Als Hitler an die Macht kommt und der Zweite Weltkrieg ausbricht, scheinen alle Kindheitsträume unserer Freunde zerplatzt. Alwin, den Nathalie in Paris begegnet und lieben lernt, wird zum Feind.
Doch auch zwischen den Freunden, die immer ihr Weltenspiel im Sommer spielten, scheint das Leben durch große Probleme nicht mehr gemeinsame Wege aufzuzeigen....Ob die Freundschaft und Liebe doch noch siegen und wie alle diese schreckliche Zeit erleben, kann man in diesem sehr bewegenden Roman miterleben.
Charlotte Roth gelingt es den Leser aufzurütteln, nie wieder darf Krieg das Leben eines Menschen zerstören.  Sie versteht auch durch ihren poetischen, einfühlsamen Schreibstil daran zu erinnern, wie wichtig Liebe und Freundschaft im Leben sind und das es sich lohnt, immer darum zu kämpfen.
Ich wünsche diesem Buch viele interessierte Leser und bedanke mich für unvergeßliche berührende Lesestunden.



Freitag, 14. Juli 2017

Rezension zu "Mirabellensommer" von Marie Matisek

Inhalt: 
Ein charmanter und lebenskluger Sommer-Roman über zwei turbulente Familien in der Provence und eine zauberhafte Liebesgeschichte von der Erfolgsautorin Marie Matisek ..
Zwischen Jasmin- und Rosenfeldern liegt die Domaine de Lafleur im Hinterland von Nizza. Marita ist glücklich mit Lucien Lafleur und ihren neuen Freunden, der alteingesessenen Familie Verbier und den Babajous von der Elfenbeinküste. Auch Gilbert Verbier und Aristide Babajou sind enge Freunde geworden – bis sich Gilberts Enkelin Julie in Aristides Sohn Rachid verliebt. Schnell stellt sich heraus, dass die kulturellen Gräben tiefer sind als gedacht. Marita und Lucien versuchen alles, um die Freunde miteinander zu versöhnen. Doch nach einem hässlichen Streit ist das junge Liebespaar plötzlich verschwunden …

Autorin:

Die Autorin Marie Matisek lebt mit ihrer Familie, Hund und Kater im idyllischen Umland von München. Neben dem Schreiben pflegt sie ihre Leidenschaften: Kochen, spazieren gehen und gärtnern. Die gebürtige Berlinerin fühlt sich in ihrer Wahlheimat Bayern genauso zu Hause wie an der Nordsee oder in Südfrankreich, seit vielen Jahren ihre bevorzugten Reiseziele.
 
Taschenbuch: 288 Seiten 
Verlag: Knaur TB (1. Juni 2017) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 342651740X 
ISBN-13: 978-3426517406
 
Meine Einschätzung:
 
Es ist Sommer 2017 in Nizza. Der Autorin gelingt es sehr gut durch eine leichte und bildhafte Erzählweise den Leser das sommerliche Flair mit all seinen Düften spüren zu lassen. Liebevoll beschreibt sie die Hauptpersonen ihrer Geschichte- in der die Freundschaft zwischen der Familie Lafleur, Verbier und den Babajous - die von der Elfenbeinküste stammen - eine große Rolle spielt. Schnell hat man Babette Babajou ins Herz geschlossen, die ihre Kinder und ihren Mann sehr liebt und als Altenpflegerin liebevoll mit ihren zu betreuenden Menschen umgeht. Sie muss nun lernen, ihre Kids loszulassen, die nun nach erfolgreichen Schulabschluss ihren Weg gehen wollen.  Das das nicht immer leicht ist, kann so mancher Leser bestimmt nachvollziehen und so kommt sie auch schwer damit zurecht, als eines Morgens ihr Sohn mit seiner neuen Freundin davongefahren ist, ohne jemanden Bescheid zu sagen. Als auch noch der Laden, den ihr Mann führt, und ihre Wohnung von einem Brand schwer beschädigt werden, scheint das Leben still zu stehen. Doch hier zeigt sich die wahre Freundschaft zwischen den Familien...
In der Erzählweise der Autorin gibt es eine Besonderheit. George, der bis zu seinem Tod erst von Marita, dann von Babette liebevoll gepflegt wird, beobachtet vom Himmel aus,das bunte Treiben seiner Freunde und führt so den Leser durch die Geschichte. Diese Idee hat mich besonders begeistert.
Zusammenfassend kann ich sagen, es ist eine Sommergeschichte, die sich leicht lesen lässt und zeigt, dass Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft zu Freunden werden können und dass sie somit gemeinsam Probleme des Lebens  gut bewältigen können.
Ich wünsche dem Buch viele begeisterte Leser.
 
 


Donnerstag, 13. Juli 2017

Rezension zu "Das Leuchten meiner Welt" von Sophia Khan

Inhalt:
Irenies Kindheit endet an dem Tag, an dem sie nach Hause kommt und ihre Mutter Yasmeen nicht mehr da ist. Der Vater erklärt nichts, weicht allen Fragen aus. Fünf Jahre vergehen, bis Irenie eine Kiste mit Briefen findet und dem Geheimnis ihrer Mutter näher kommt. Auf der Spur einer verbotenen Liebe reist sie von Amerika bis nach Pakistan, voller Hoffnung, in diesem Sommer Yasmeens Verschwinden endlich zu verstehen.

Autorin:
Sophia Khan wurde 1985 als Tochter einer amerikanischen Mutter und eines pakistanischen Vaters geboren. Sie wuchs in beiden Ländern auf, reiste viel, studierte in den USA und lebt heute mit ihrem Mann in Islamabad. Das Leuchten meiner Welt ist ihr erster Roman.

Taschenbuch: 480 Seiten 
Verlag: Diana Verlag (13. Juni 2016) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3453358961 
ISBN-13: 978-3453358966
zu kaufen:  http://amzn.to/2u9PI7l 

Meine Einschätzung 
Mit 10 Jahren geschieht der 10jährigen Irenie das Schlimmste, was einem Kind passieren kann, ihre Mutter Yasmeen verschwindet spurlos...Ihr Vater James erklärt ihr nicht was passiert ist...5 Jahre später findet sie eine Kiste Briefe. Nun ahnt sie, dass ihre Mutter tot ist...
Der Leser wird in dieser Geschichte mitgenommen auf der Suche Irenies nach der Wahrheit. Sie möchte herausfinden, was mit ihrer Mutter passiert ist und ob James wirklich ihr Vater ist. Die Autorin lässt ihre Hauptgestalt in der Ich-Form erzählen. Demgegenüber stehen die Gedanken und Erlebnisse aus der Sicht des Vaters.
Es ist eine Geschichte von Liebe und den Kampf um Liebe und Anerkennung im Leben. Es zeigt auf, dass es nicht immer leicht ist für zwei Menschen, die unterschiedlichen Nationalitäten angehören, ein gemeinsames glückliches Leben aufzubauen. Auch zeigt es auf, dass es wichtig ist, wenn zwei sich lieben, alle Probleme offen anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden.
Beim Lesen habe ich mit Irenie mitgefiebert, die mit ihren 10 Jahren versucht hat, die Rolle der Mutter zu übernehmen und den Haushalt zu führen und ihrem Vater täglich ein leckeres Essen  zu servieren. James versteht es nicht seiner Vaterrolle gerecht zu werden. Er versinkt in Selbstmitleid und findet zu Irenie keine tiefe Bindung. Im Roman erfährt der Leser auch, wie es soweit kommen konnte, dass Irenies Mutter die Familie verlässt.
Es gibt große Teile des Romans, wo durch Rückblenden vieles wiederholt wird und durch lange Beschreibungen bestimmter Handlungen, der Lesefluss gestoppt wird. Das ist eigentlich schade, da der Inhalt der Geschichte sehr unterhaltsam ist, aber der Spannungsbogen dadurch abgeflacht wird.
Gut gefiel mir die die Beschreibung des Lebens in Pakistan, wohin Irenie reist, um alle Geheimnisse des wahren Lebens ihrer Mutter aufzudecken.
Wird es ihr gelingen, hinter das Geheimnis des Verschwindens ihrer Mutter zu kommen und wird James für Irenie ein richtiger Vater werden oder entscheidet sie sich Amerika für immer zu verlassen, um in Pakistan, der Heimat ihrer Mutter zu bleiben?
Für Leser, die Familiengeheimnisse lieben, empfehlenswert, auch wenn es einige Abstriche bei der Unterhaltung durch die Erzählweise gibt.